REVIEW: Blonde Redhead „3 O’Clock“ (EP)

blonde-redhead-by-julien-bourgeoisExtended Plays, kurz EPs, scheinen einen guten Kompromiss zwischen Single und Album darzustellen. Mit zwei bis fünf, in seltenen Fällen auch mehr Songs, bieten diese Tonträger einen Überblick über den kreativen Iststand eines Künstlers oder einer Band, welcher weder zu minimalistisch noch zu opulent gehalten ist, um sich als Hörer damit auseinandersetzen zu können. Als kleiner Appetithappen mit großem Geschmack passen EPs darüber hinaus ganz hervorragend zu dem Wesen unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die vor allem auf die kurzfristige Befriedigung, statt auf eine ausgiebige Betrachtung der Dinge, aus ist. Wer im Jahr 2017 noch CDs, Platten oder Downloads verkaufen möchte, der beugt sich also besser diesem Trend. Nach neun Studioalben entschied sich auch das New Yorker Trio Blonde Redhead, eine weitere EP zu veröffentlichen – zuletzt hatten sie dies im Jahr 2005 mit „The Secret Society Of Butterflies“ getan. Für „3 O’Clock“ wühlten die drei Musiker dabei in den Tiefen ihrer Bibliothek aus unfertigen Tracks und fischten vier Stücke heraus, die – gehörig aufpoliert – nun ein spannendes Quartett ergeben.

3-oclockBeginnend mit dem für den EP-Titel verantwortlichen Song „3 O’Clock“ baut das neuste Werk von Blonde Redhead auf eine Soundästhetik, die sich sowohl an dem zuletzt erschienenen, von analogen Synthesizern durchdrungenen „Barragán“ orientiert, als auch an früheren Zeugnissen der Band, wie beispielsweise dem Erfolgsalbum „Missery Is A Butterfly“ (2004). Elektronische Spielereien kratzen derweil an dem organischen Antlitz von Bläser- und Streicherarrangements, wirken jedoch nie wie deplatzierte Fremdkörper, sondern vielmehr wie jene Funken, die ein Buschfeuer auszulösen vermögen. Hitzig und doch anmutig entfacht die EP Gefühle der Leidenschaft und Sehnsucht. Nicht nur langjährige Fans von Sängerin Kazu Makino sowie den Zwillingsbrüdern Amedeo und Simone Pace dürften da ins Schwärmen geraten. „3 O’Clock“ liefert auch alldenjenigen, die sich über zu wenig Ambitionen bei den nachwachsenden Künstlergenerationen beschweren, einen Beweis dafür, dass es noch immer innovative, mit hohem Wiedererkennungswert ausgestattete Bands auf diesem Planeten gibt. Blonde Redhead lassen sich nicht beirren und leben auf „3 O’Clock“ erneut ihre Experimentierfreude in vollem Maße aus. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne sich auch nur den Hauch einer Sekunde daran zu stoßen, dass manch einer ihre Kompositionen wohl als „recht speziell“ oder gar „gewöhnungsbedürftig“ bezeichnen würde. Unbeeindruckt davon, welcher Wind ihnen auch entgegen wehen mag, zahlt sich dieser Hang zu Exzentrik und Unbedarftheit aus und hinterlässt ein wahres Unikat von einer EP.

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