REVIEW: Goldfrapp „Silver Eye“

Als 2000 das Album „Felt Mountain“ der Briten Goldfrapp erschien, kam das einer akustischen Offenbarung gleich. Nie zuvor hatte elektronische Musik cineastischer und stärker auf den Punkt geklungen, als es auf dieser LP der Fall war. Eine echte Perle auditiver Freuden, die – sogar in Goldfrapps eigener Diskografie – bis zum heutigen Tag unübertroffen bleiben sollte. Doch selbst, wenn sie ihr Meisterstück schon recht früh vorgelegt hatten, konnten Will Gregory und Alison Goldfrapp auch mit ihren Folgewerken auf ganzer Linie überzeugen. Spannend war dabei stets der Zwist zwischen Up- und Down-Beat, den das Duo mit größter Vehemenz zelebrierte. Stellt man beispielsweise „Supernature“ (2005) und „Seventh Tree“ (2008) oder „Head First“ (2010) und das zuletzt erschienene „Tales Of Us“ (2013) nebeneinander, kann man kaum glauben, dass es sich dabei um ein und denselben dahinter stehenden Verursacher handelt. Der Prämisse, sich nie wiederholen zu wollen, werden Goldfrapp dabei gerecht wie kaum eine andere Band. „Silver Eye“, ihr mittlerweile sechstes Studioalbum, bestätigt diesen Eindruck. Nach der fast schon poetischen Ruhe auf „Tales Of Us“ drehen Gregory und seine bessere Hälfte jetzt wieder die Regler auf.

Flammend rotes Haar auf dem Kopf Alison Goldfrapps, das künstlerisch inszenierte Video zur Hitsingle „Anymore“ und kryptische Informationen auf ihren Social-Media-Kanälen – das waren die Steine, die die Lawine „Silver Eye“ ins Rollen brachten. Jetzt ist es da, das bis dato ambitionierteste Disco-Album der beiden Electronica-Koryphäen. Um wieder in unbekannte auditive Gefilde aufbrechen zu können, setzten sie bei der Produktion der LP auf frische Impulse von außen, die sie wiederum durch die Zusammenarbeit mit Künstlern gewährleisten, die bisher noch nicht Gast in ihrem Studio gewesen waren. John Grant, der im Track „Become The One“ zu hören ist, oder die Wild Beasts standen – neben einigen anderen – dafür sofort Schlange – war der Weg unter dem Dach der Labelvereinigung DominoMute auch nicht allzu weit gewesen. Nun ist es aber nicht nur diesen Kollaborationen zu verdanken, dass „Silver Eye“ an den Erfolg Goldfrapps anschließen kann. Über allem thront der Gesang einer gereiften Frontfrau, der durch seinen Facettenreichtum fesselt. Vom pulsierenden „Systematic“ bis zu den nebulösen Tracks „Zodiac Black“ und „Beast That Never Was“ bettet sich dieser in einen vielschichtigen Synthesizerbackground ein. Goldfrapp lieben das Spiel mit verschiedenen Tempi, mit Ecken und Kanten und fahren auf „SilverEye“ sanft die Krallen aus. Fans der Band werden die Platte mit offenen Armen empfangen. Und auch für alle anderen steht darauf die Tür in das elektrifizierte Paralleluniversum der beiden Ausnahmemusiker weit offen.

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