REVIEW: POND „The Weather“

Ein totales Kuddelmuddel herrscht da am anderen Ende der Welt. Scheinbar reicht es nicht aus, dass der Psychedelic Rock als solcher, mit all seinen ekstatischen Hooks und Beats, schon für Verwirrung sorgt, die in Australien angesiedelte Szene macht sich zudem seit Jahren einen Spaß daraus, die Mitglieder einzelner Bands untereinander auszutauschen, als handele es sich um Pokémon-Sammelkarten. Wer soll da noch folgen? Der häufige Wechsel der Künstler mag aus Sicht des Otto-Normalbürgers zwar nicht unbedingt nachvollziehbar sein, für die involvierten Projekte bringt er jedoch eine stete gegenseitige Ideenbefruchtung mit sich. Als wären Bienen im Einsatz, die von einer Blüte zur nächsten fliegen und dabei wertvolles Pollenerbgut transportieren, wird auch das genetische Soundmaterial von Acts wie Tame Impala, Mink Mussel Creek, Space Lime Peacock und POND durch den munteren Musikertransfer immer wieder aufgefrischt und durchgerüttelt. Bei PONDs neuem Album „The Weather“ lassen sich dadurch beispielsweise stilistische Entwicklungen beobachten, wie die, die zuletzt Tame Impala mit ihrem gefeiertem „Currents“ (2015) an die Spitze der Charts führten. Hinzukommt, dass Kevin Parker, der langhaarige Tame Impala-Frontmann, als Produzent der Platte fungierte und zwei der vier aktuellen PONDler bereits Erfahrungen in seinem Erfolgsquintett sammeln durften.

Genauso unbeständig und launenhaft, wie man es dank des Titels erwarten würde, setzt PONDs „The Weather“ auf eine breite akustische Vielfalt, die den Hörer zwar fordert, sich aber auch willens über dessen Gemüt ergießt, sofern dieser die innere Gelassenheit dafür besitzt. Denn die Wall of Sound, die POND einem auf ihrem siebten Studioalbum entgegenstellen, kann definitiv bedrohlich wirken. Minimalismus ausgeschlossen. Schon die Vorabsingle „Sweep Me Off My Feet“ deutete an, dass die LP durchaus clubtauglich werden dürfte. Und dies bestätigt sich auf ganzer Linie. Wenngleich sie mit „30,000 Megatons“ oder dem Titeltrack „The Weather“ auch ruhigere, tranceartige Stücke bereithält, ist die Grundstimmung des siebenten Werks der Perther doch eher aufwühlend und wenig ermüdend. Sänger Nick Allbrook und seine Kollegen huschen fröhlich durch das Erbe der 70er, 80er und 90er, lassen E-Gitarren, Schlagzeug und Synthesizer gegeneinander um die Gunst der Hörer buhlen und scheuen sich nicht im Geringsten, die Regler immer wieder einen Tick zu laut einzustellen. Rasante Klangfahrten ( „A/B“, „Colder Than Ice“) inklusive. Wer Tame Impalas „Currents“ genauso mochte, wie wir dies taten – immerhin wählten wir die Platte zu unserem Album des Jahres 2015 – der hat nun die Chance, in PONDs „The Weather“ deren charmanten Stiefbruder kennenzulernen. Einer, der schon etwas gebildeter und reifer daherkommt, obwohl er es faustdick hinter den Ohren hat.

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