REVIEW: Dhani Harrison „In///Parallel“

Auch fern der sich aufdrängenden, starken äußerlichen Ähnlichkeiten würde es im Rahmen dieser Albumvorstellung wohl schwer werden, nicht zu erwähnen, um wessen Sohn es sich bei Dhani Harrison handelt. Insofern können wir das Thema auch direkt angehen und laut verkünden: Ja! Im Folgenden widmen wir uns dem Debüt eines Beatles-Sprösslings. „In///Parallel“ ist allerdings nicht das erste auditive Zeugnis, auf dem Harrison Junior zu hören ist. Erstmalig trat er nämlich auf dem letzten Album seines Vaters, George Harrisons posthum veröffentlichter „Brainwashed“-LP (2002), in Erscheinung. Für seine Performance innerhalb des darauf befindlichen Songs „Marwa Blues“ räumte Dhani Harrison einen Grammy ab, noch bevor seine Karriere wirklich begonnen, er sich in das Bandprojekt thenewno2 gestürzt oder an Soundtracks für Filme und TV-Serien gearbeitet hatte. Natürlich mag sein Nachname dem Briten die eine oder andere Tür geöffnet haben, die ihm sonst vielleicht verschlossen geblieben wäre, nur warteten in jedem neuen Raum, den er betrat, auch immer Vorurteile und Stigmatisierungen auf ihn. Aus dem Schatten eines Vaters wie George Harrison treten zu wollen, ist eben nicht einfach.

Während niemand hinterfragen würde, wenn ein Bäckerssohn irgendwann das elterliche Geschäft übernehmen möchte, werden bei den Ambitionen von Musikernachwuchs schnell Kritiken laut, dass es sich dabei um unkreative Versuche verwöhnter Kinder handele, die sonst nichts mit ihrer Zeit anzufangen wissen würden. Schade und recht engstirnig gedacht. Entgehen einem dadurch doch auch viele ambitionierte Gehversuche talentierter Künstler. Dhani Harrisons Kinderstube lässt sich jedenfalls nicht verleugnen, wenn man sich die psychedelische Opulenz von „In///Parallel“ zu Gemüte führt. Spannend ist jedoch, dass er all die Momente, die man mit der Diskografie seines Vaters beziehungsweise der der Beatles in Verbindung bringen könnte, durch sperrige IDM-Anleihen, rockige Kompositionsentwürfe oder cineastisch anmutende Impulse sprengt. Die daraus resultierende Dynamik ist umwerfend. „In///Parallel“ transzendiert irgendwo zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Eine Platte, die keinen Anker braucht, um existieren zu können, sondern stattdessen bereitwillig den Schwebezustand als Lebensgefühl akzeptiert.

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