REVIEW: Wim Janssens „Filial Love“

„Filial Love“ macht klar: Wim Janssens in einem Atemzug mit Legenden wie Nick Cave oder Leonard Cohen zu nennen, hat durchaus seine Berechtigung. So abgehoben dieser Vergleich vielleicht auf den ersten Blick auch klingen mag.

Es hinterlässt Eindruck, einem Menschen wie Wim Janssens zu begegnen. Seine Aura, sein Blick, seine tiefe Stimme – alles an dem Belgier wirkt durchdringend. Glaubt man, sein mysteriöses Wesen gegriffen zu haben, kann es passieren, dass schon der nächste Moment offenbart, dass man mit sämtlichen Einschätzungen falschlag. Janssens umgibt ein Hauch von fragiler Genialität. Eine Schöpferkraft, die in der Popwelt rar ist und oft von der Kommerzialität und Schnelllebigkeit unseres Konsumdenkens überschattet wird. Wie eine zarte Pflanze, die zwischen massiven Bäumen zu blühen versucht. Wer einmal beobachtet hat, wie Janssens für seine Musik brennt, wie er Stunde um Stunde an seinen Songs herumwerkelt, bis auch die letzte Nuance richtig gesetzt ist, der versteht die Wertigkeit, die seiner Arbeit zugrunde liegt. Im Zuge seiner ersten Solo-LP hat sich der Flame, der sonst vor allem als Teil von Joy Wellboy agiert, von dem energetischen Elektropop des Duos abgewandt und wandert stattdessen in die dunkelsten Ecken des Pop Noir. Dort angekommen entrollt er eine hochgradig persönliche Geschichte. Doch nicht die eigene. Inspiriert von TR Ericsson, dessen Kunst, dem gemeinsamen Austausch und den Geschehnissen rund um den Freitod von Ericssons Mutter Susan im Jahr 2003, verhandelt Janssens Themen wie Liebe und Verlust. Seine Überlegungen packt er dabei in ein emotionales Netz aus feingliedrigen Instrumentierungen ein. Poetisch, malerisch, sensibel. Das respektvolle Gespür, mit dem Wim Janssens „Filial Love“ ausstaffiert hat, ist beeindruckend. Aufgrund von mehr als zwanzig Tracks ist die Platte aber nicht nur thematisch ein gewaltiges Werk geworden. Sich „Filial Love“ zu nähern, funktioniert deshalb nur auf eine einzige Art und Weise: nämlich mit Zeit und den nötigen mentalen sowie emotionalen Ressourcen.

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