REVIEW: Aukai „Apricity“

Ein Hoch auf die Simplizität: Aukai durchdringt auf „Apricity“ mentale Nebelschwaden und schärft die Sicht aufs Wesentliche.

Es ist leicht dahingesagt, dass es die kleinen Dinge seien, die im Leben zählten und uns Freude bereiteten. Denn für viele von uns sind sie es eben nicht. Stattdessen werden wir von einer unstillbaren Gier getrieben. Unaufhörlich verlangt es uns nach noch spannenderen, noch gewinnbringenderen Momenten als denen, die bereits hinter uns liegen. Und so ist unser Blick derart suchend nach vorn gerichtet, dass wir weder zurück noch nach links oder rechts zu schauen vermögen. Mit seinem neusten Album „Apricity“ versucht Markus Sieber alias Aukai dem Sog der Unzufriedenheit Einhalt zu gebieten und die Anmut des Einfachen zu zelebrieren. Als Metapher wählte er in diesem Zusammenhang das wärmende Sonnenlicht inmitten eines dunklen Winters, den für nichts Anderes steht das altenglische Wort Apricity. Ein flüchtiges Stück Zuversicht, während die Welt in eine Art Starre gefallen zu sein scheint. Wie schon auf seinen früheren Veröffentlichungen nutzt er für die Inszenierung seiner Botschaften meditative Melodien, die er mit den für seine Musik typischen – oft südamerikanisch angehauchten – Folk-Elementen unterfüttert: Feinfühlige Gitarren- und Harfenpickings, Streicher-Arrangements, wabernde Synthesizer und zurückhaltende Drums. Aukai ist Meister seines Genres. Die Songs der LP rühren an, ohne theatralisch zu sein. Sie bieten klanggewordene Reflexionsflächen für die Zerrissenheit unserer Gedanken und entschleunigen nicht nur den Verstand, sondern auch den Puls derart, dass eine tiefe Ruhe zu entstehen vermag. „Apricity“ ist ein Ambient-Album wie man es sich besser nicht hätte wünschen können.


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