REVIEW: Schatz „2Lovers“ (EP)

Doomsday-Schick: Das Debüt „2Lovers“ von Schatz strahlt eine morbide Anmut aus, die durch verspielte Shoegaze-Einflüsse kontrastiert wird. Ein gelungener Balanceakt zwischen Tiefgründigkeit und elegantem Leichtsinn.

Von Anfang Juli bis Ende August wird das Musikbusiness passend zum hitzigen Wetter von einer Durststrecke beherrscht. Das liegt daran, dass viele potenzielle Konsument*innen zu dieser Zeit im Urlaub oder auf Festivals – in jedem Fall draußen an der frischen Luft – vermutet werden und sich folglich weniger mit neuen Releases an der heimischen Anlage oder dem PC auseinandersetzen dürften. Darauf eingestellt, fahren Branche und Künstler*innen ihre Produktions- und Marketingmaschinen auf Sparflammenniveau herunter und warten indes geduldig auf einen hoffentlich verkaufsstarken Herbst. Doch es gibt Ausnahmen! Widerspenstige Gemüter, die sich für solcherlei künstliche Gesetzmäßigkeiten schlichtweg nicht interessieren. Das Berliner Post-Punk/New-Wave-Duo Schatz zum Beispiel. Frisch und vogelfrei hauen Monya Beutelspacher und Luis Hellbusch ihre Debüt-EP genau dann raus, wenn es ihnen am besten passt – schließlich waren die sechs Songs schon seit einer Weile fertig geschrieben, eingespielt und abgemischt. Worauf also noch warten? „2Lovers“ beschenkt den kargen Klangsommer – neben der Doppeldeutigkeit im Titel – mit einer Mischung aus düster funkelnden Synthesizern, lasziven, teils deutschen, teils englischen Texten und hypnotischen Beats. Das Mini-Album passt mit seiner fiebrigen Krautrock-Atmosphäre und Beutelspachers rauen Gesängen hervorragend zu Tagen, die mit Ozon belasteten Stunden und von Neonlichtern erhellten Nächten aufwarten. Wie ein Vanitas-Motiv, von dem trotz aller Vergänglichkeit eine massive Anziehung ausgeht. Tanzen wir also dem jüngsten Gericht entgegen. Lässig, furchtlos, stilvoll. 


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