Vorbilder für viele junge Mädchen und Frauen: My Ugly Clementine machen auf „The Good Life“ Empowerment hörbar und verschweigen keinesfalls, dass man sich beim Einstehen für die eigenen Rechte auch mal den ein oder anderen Kratzer zuziehen kann.
Manch engstirniges Gemüt mag noch immer glauben, dass Rock eine reine Männerdomäne darstelle. My Ugly Clementine hingegen beweisen, dass dem ganz und gar nicht so ist. Die Österreicherinnen konnten bereits mit ihrem Debüt „Vitamin C“ (2020) ein breites Publikum von sich überzeugen – und das mit harten E-Gitarrenriffs, donnernden Schlagzeugbeats und rotzigen Gesängen. Der Nachfolger „The Good Life“ legt trotzdem nochmal eine Schippe an Wucht drauf. Die zwölf Songs sind rau und dynamisch. Statt wie beim Vorgänger hier und da noch ein paar Ecken glattzuschleifen und mit Pop-Anleihen abzumildern, entschieden sich Sophie Lindinger, Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck dieses Mal, dass es ruhig durchgehend scheppern darf. Soundtechnisch erinnert die Platte mit Postpunk-, Grunge- und Alternative-Rock-Elementen an Kolleginnen wie Courtney Love (Hole), Juliette Lewis (Juliette & The Licks) oder andere Pionierinnen, die an der Schwelle zur Millenniumswende die Musikbranche erschüttern ließen. „The Good Life“ entstand während eines kreativen Trips nach Tschechien, wo My Ugly Clementine hinter verschlossenen Türen, schrieben, komponierten und aufnahmen. In kompletter Eigenregie. Die drei verfolgten dabei eine klare Version, wie ihr Album klingen und welche Geschichten es erzählen sollte. Nämlich Anekdoten aus bewegten Lebensläufen, in denen neben Sonnenschein auch Gewitterwolken Platz finden. Den Zuhörenden dürfte das dabei helfen, eine Verbindung zu den Tracks aufzubauen und sie Stück für Stück ins Herz zu schließen. Man kann sich jedenfalls allzu gut vorstellen, wie My Ugly Clementine zu „Feet Up“ oder „Impossible Situation“ über die Bühnen der Festivals springen werden, auf denen sie gern gesehene Gästinnen sind.


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