REVIEW: Birdy „Portraits“

Jetzt aber richtig: Birdy wagt mit „Portraits“ den endgültigen Sprung raus aus der Singer-Songwriter-Ecke hinein in flirrende, von den Achtzigern inspirierte Electro-/Altpop-Kompositionen. 

Seit 2008 begeistert Birdy uns mit ihrer zerbrechlichen und doch ebenso vollmundigen Stimme. Nachdem sie im zarten Alter von 12 Jahren einen Open-Mic-Talentwettbewerb gewonnen hatte, nahm ihre Karriere rasant an Fahrt auf. Es folgten Auftritte auf renommierten Bühnen sowie 2011 die Veröffentlichung ihres umjubelten selbst betitelten Debüts (2011). Dieses wurde – genauso wie die Alben „Fire Within“ (2013), „Beautiful Lies“ (2016) und „Young Heart“ (2021) – wohlwollend von der Kritik und ihrer stetig wachsenden Fangemeinde aufgenommen. Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerde ist ein Phänomen, und zwar eins, das bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren zu haben scheint. Noch immer füllt die Britin riesige Konzerthallen auf der ganzen Welt und kann mit ihren Singles hohe Streaming-Zahlen im neunstelligen Bereich einfahren. Warum also nicht mal ein Risiko eingehen? Mit „Portraits“ kehrt Birdy der oft akustischen, eher reduzierten Klangästhetik früherer Werke größtenteils den Rücken zu, richtet ihren Blick nach vorn und stürzt sich in ein neues Abenteuer. Ein Abenteuer, dass die Britin durch opulente, groß angelegte Klanglandschaften führt, in denen sie ihren Gesang mit Synthesizern und computergenerierten Beats paart und zur charmanten Diva mutiert. Zwar bricht Birdy nicht alle Brücken zur Vergangenheit ab und hält auf „Portraits“ weiterhin die ein oder andere Ballade bereit, doch unterscheidet sich die Stilistik schon recht deutlich von dem, was auf früheren LPs zu finden war. Beziehungsweise gewährt die heute 27-Jährige frischen Impulsen den überwiegenden Platz, statt sie zur Randerscheinung zu degradieren. Das tut sowohl „Portraits“ als auch Bordys Stimmrange wahnsinnig gut. Die Platte ist dynamisch, kraftvoll und erinnert hier und da an Kolleginnen wie Sharon Van Etten oder die Mutter des Experimental-Pops höchstpersönlich, Miss Kate Bush. Wir dürfen gespannt sein, was Birdy in Zukunft noch in petto haben wird. „Portraits“ darf jedenfalls getrost als ihr bis dato aufregendstes Album bezeichnet werden!


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