Zwischen Aufregung und Erholung: Dope Lemons „Kimosabè“ ist wie ein Motor, der einen als Hörer*in sowohl in die eine als auch andere Richtung bewegen kann.
„Kimosabè“ ist bereits das vierte Album, das Angus Stone unter dem Moniker Dope Lemon veröffentlicht. Allerdings ist es das erste, auf dessen Cover der Australier sein Gesicht offen zeigt, statt es hinter einer riesigen Zitrone zu verstecken. Doch wie kam es zu dieser Entscheidung? Stone selbst sagt, er sei an einem Punkt angekommen, an dem er die künstliche kreative Schutzmauer, die das gelbe Obst ihm bot, nicht mehr brauche. Er habe final zu sich und zu seinem Sound als Solokünstler gefunden, nachdem er lange mit seiner Schwester und ihrem gemeinsamen Folk-Projekt – Angus & Julia Stone -identifiziert wurde. Selbiger Sound lebt von ätherischen, smoothen Instrumentierungen, die der 37-Jährige hin und wieder durch rockigere Parts in Wallungen versetzt, indes seine Stimme durch ihre legere, fast rotzige Präsenz besticht. Als würde Angus beim Singen die Zähne nicht wirklich auseinanderbekommen. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den typischen, auch auf den bisherigen Veröffentlichungen zu findenden Verzerrer-Effekt, der an Julian Casablancas (Frontmann von The Strokes) denken lässt. All das nährt den Hauch von Retro-Ästhetik, der „Kimosabè“ aus der Zeit fallen lässt. Die Platte könnte auch vor zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, ja sogar fünfzig oder sechzig Jahren erschienen sein. Gekonnt destilliert sie die Essenz der Songwriterkunst einer halben Dekade und wartet mit dem Versprechen auf, dass Tracks wie „Miami Baby“, „Give Me That Fire“ oder „Broke Down Casino“ genauso vitalisierend wie entspannend wirken können. Beides vermag die LP ohne Weiteres zu bedienen. Es hängt schlichtweg von dem Mindset ab, mit dem man sich Dope Lemons neustem Werk nähert, und der Tatsache, ob man sich lieber auf das Angebot aus verträumten Synthesizern und mantraartigen Loops oder auf kratzende E-Gitarren-Riffs und beschwingte Beats konzentriert.


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