REVIEW: James Blake „Playing Robots Into Heaven“

Wo soll das noch hinführen? James Blake entrollt auf „Playing Robots Into Heaven“ eine schöpferische Kraft, die einem schlichtweg den Atem raubt. Brillant! Fesselnd! Unvergleichlich!

Sein Kopf scheint mit unzähligen Ideen und kreativen Impulsen gefüllt zu sein. Ein Verstand, der nie zur Ruhe kommt, der unablässig arbeitet. Zweifelsohne zählt James Blake zu den produktivsten Künstler*innen der Branche. Kaum hat er ein Album – wie zuletzt „Friends That Break Your Heart“(2021) – veröffentlicht, findet man seinen Namen auch schon wieder als Featuring-Erwähnung bei Songs von Kolleg*innen (u.a. Travis Scott, Don Toliver, Monica Martin), in den Tracklists gefeierter Soundtracks („Euphoria“, „Spiderman: Across The Spider-Verse“), auf zusätzlichen EPs oder im Zuge anderer Projekte (James Blake x Endel), die der Brite trotz gut gefülltem Konzertkalender nebenher betreibt. Jetzt könnte man meinen, dass die Qualität leiden müsse, wenn jemand auf zich Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Doch weit gefehlt! „Playing Robots Into Heaven“, das heute erscheinende sechste Studialbum des Tausendsassas, ist eine Offenbarung! Ein Geniestreich! Wieder einmal ist es James Blake gelungen, sich nicht nur selbst zu übertreffen, sondern eine stilistische Gratwanderung zu vollführen, die sich trotzdem mit seiner bisher enthüllten Identität als eine der wichtigsten Electro-Koryphäen überhaupt vereinen lässt. Galant spannt der 34-Jährige einen Bogen, der House, Dubstep, Soul, R’n’B, Chillout, Alternative und düstere Trap-Einflüsse nicht nur aneinanderreiht, sondern all diese Genres derart miteinander verknüpft, als wären sie schon immer dazu bestimmt gewesen. Quasi wie eine Art akustische Kernfusion, die derart viel Energie freisetzt, dass es einen als Hörer*in wortwörtlich aus den Schuhen haut. Ohne Vorwarnung. Stärker als auf früheren Veröffentlichungen überlässt James Blake dieses Mal schrammeligen Beats und experimentellen Frickeleien die Bühne und stellt seinen sanften Gesang ein Stück zurück. Beziehungsweise verfremdet er ihn mittels Autotune derart, dass man sein typisches Timbre teils nicht mehr erkennen kann. Es ist erstaunlich, zu hören, wie es der mit den renommierten Mercury Prize ausgezeichnete Musiker und Produzent mehr denn je schafft, die Realität in den Hintergrund treten zu lassen, sodass man gedanken- und gefühlstechnisch völlig von den Stücken auf „Playing Robots Into Heaven“ vereinnahmt wird. Plötzlich scheint nichts Anderes mehr wichtig im Hier und Jetzt. Wir dürfen bereits verraten, dass diese LP definitiv einen Platz an der Spitze unserer Jahrescharts verdient haben wird!


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