REVIEW: Will Buttler + Sister Squares „Will Butler + Sister Squares“

Will Butler hat nach der Abkehr von Arcade Fire seine eigene musikalische Familie gegründet und mit dieser ein fesselndes Album erschaffen: „Will Butler + Sister Squares“.

Zwar ist er noch auf „WE“ (2022), dem aktuellen Longplayer von Arcade Fire, als Multiinstrumentalist zu hören, doch entschied Will Butler kurz nach dessen Fertigstellung, die Band, der er 20 Jahre angehört und mit der er etliche Erfolge gefeiert hatte, zu verlassen. Genau im richtigen Moment, wie es scheint. Schließlich wurden im Sommer nach der Veröffentlichung Vorwürfe laut, sein Bruder – und Frontmann der Gruppe – habe sich mehrerer unangemessener sexueller Übergriffe schuldig gemacht. Anklagen, die nicht nur Wim Butler, sondern auch Arcade Fires Ruf nachhaltig schaden sollten und dies auch immer noch tun. Will fokussierte sich indes auf seine Solokarriere. Jene hatte er 2015 mit dem Debüt „Policy“ begonnen und wollte ihr dieses Jahr ein viertes Studioalbum widmen. Doch alles kam anders. Statt sich, wie ursprünglich geplant, allein in seinem Keller zu verschanzen und dort an Songideen zu arbeiten, suchte er zunehmend den Austausch mit seiner Liveband. Zu dieser gehören neben seiner Frau Jenny auch deren Schwester Julie und eine gemeinsame Freundin namens Sara. Ergänzt durch Miles Francis, der vor allem beim Aufnahmeprozess und der Produktion eine wichtige Rolle spielte, erschuf das Fünfergespann eine 14 Track starke Hommage an die Kombinationskraft aus Art-Rock, Indie und Barock-Pop. Dass sich eine gewisse Familienähnlichkeit zu seinem Bruder nicht verleugnen lässt, zeigen vor allem Wills Stimme und die Art und Weise seiner Gesangsperformance. Ein Timbre, das unverkennbar mit Arcade Fire assoziiert ist. Anders als bei den Kompositionen der mehrfach preisgekrönten Alternative-Band setzen Will Butler und Sister Squares soundtechnisch aber auf eine wesentlich vertracktere, rohere und doch auch psychedelischere Hintergrundkulisse. Eine, die am vielleicht ehesten an Werke von Sufjan Stevens („The Age of Adz“) oder Andrew Bird („I Want To See Pulaski at Night“) erinnert. „Will Butler + Sister Squares“ unterstreicht trotz seines kollaborativen Charakters die Autonomie Will Butlers, der selbstbewusst aus jedweden Schatten treten kann, die auf ihn geworfen werden. Egal von wem auch immer.

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