Durchdachte Genialität trifft auf naive Spielfreude: The Smile bestätigen mit „Wall Of Eyes“ ihren Ruf als kreative Lichtgestalten.
Es ist das Trügerische an einer ganz bestimmten Form des Lächelns, das Radioheads Thom Yorke und Johnny Greenwood zusammen mit dem Schlagzeuger Tom Skinner fasziniert und dazu bewogen hat, ihrem Projekt den Namen The Smile zu geben. Dieses Kräuseln der Lieppen, hinter dem sich ein spöttischer Gedanke zu verbergen vermag. Gut getarnt und nur erkennbar für den, der über den Tellerrand hinausschaut. Nicht anders verhält es sich mit der Musik der Briten. Gerne führen sie das vermeintlich Offensichtliche ad absurdum. Wer glaubt, ihre Stücke ohne große Anstrengung verstehen zu können, ist prädestiniert dafür, durch alle doppelten Böden zu brechen, die die Songs bereithalten. „Wall Of Eyes“, das zweite Album von The Smile, nutzt selbige Strategien. Auf den ersten Eindruck vielleicht zugänglicher als der gefeierte Vorgänger „A Light Of Attracting Attention“, hält es nicht minder viele Brüche und ungeschliffene Kanten bereit. Einmal mehr lassen Yorke und Co. ihre beachtlichen Identitäten – nein, man sollte hier besser von gewachsenen, gut gereiften Egos sprechen – mal offensichtlicher, mal versteckter durchscheinen. Die acht Songs können zweifellos als Konglomerat der unterschiedlichsten Erfahrungen und Einflüsse ihrer Schöpfer verstanden werden. Da sind progressive Rockpassagen, aber auch elektronische Seufzer, die Traurigkeit und Hoffnung gleichermaßen in sich vereinen. Experimenteller Wagemut steht neben dem Wiederaufgreifen altbewährter Erfolgsrezepte und psychedelisch-verschrobenen Fieberträumen. Es wäre eine Farce, nicht anzuerkennen, dass es The Smile wieder einmal gelungen ist, das Echo, das ihre Existenz provoziert hat, derart zu verstärken, dass es weit über die Endlichkeit seiner Quellen hinaus nachhallen wird. Chapeau!


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