REVIEW: Mine „Baum“

Licht am Horizont: Mines „Baum“ zeigt, dass unsere Nation musikalisch mehr zu hervorzubringen weiß hat als herzlose Castingbands, makellose Schlagerstars oder fragwürdige Industrial-Metal-Rock-Bands-Formationen.

Unsere Redaktion tut sich bekanntlich schwer damit, deutschsprachige Alben zu besprechen. Oder besser gesagt, wir vermeiden sie bewusst, weil wir für sie oft nur wenige anerkennende Worte übrig haben. Und was wir definitiv nicht wollen, ist eine weitere aufmerksamkeitsheischende journalistische Verriss-Fabrik zu werden. Davon gibt es schon genug. Stattdessen nutzen wir unsere Ressourcen lieber, um Platten zu empfehlen, von denen wir glauben, dass sie es wert sind, gehört zu werden. Dass man ihre Veröffentlichung feiern sollte, weil sie ein Geschenk sind. „Baum“ von Mine erfüllt dieses Kriterium. Was uns an den 15 Tracks besonders fasziniert, ist das zugrunde liegende kompositorische Talent ihrer Schöpferin. Mine, die mit bürgerlichem Namen Jasmin Stocker heißt, versucht gar nicht erst, sich dem Mainstream-Pop anzubiedern. Obwohl sie stimmlich alle Qualitäten dazu hätte, tobt sie sich in Rhythmik, Dynamik und Tonalität derart aus, dass kein Song dem anderen gleicht. Nein, „Baum“ steckt voller Überraschungen. Wild und unerschrocken kombiniert die 38-Jährige Elemente aus Indie-Pop, Folk und Hip-Hop mit verträumten Ambient-Passagen, orchestraler Heimatmusik und Disco-Sounds. Wenn dann auch noch die von uns geschätzte Französin Leonie Pernet für ein Featuring auftaucht, das wir wirklich nicht erwartet hätten, ist die Verblüffung perfekt. Es bleibt, Mine zu einem Album zu gratulieren, das auf ganzer Linie Spaß macht, weil es extrem unvorhersehbar ist und eine Qualität mitbringt, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht.


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