REVIEW: Glass Animals „I Love You So F***king Much“

Ein Beispiel dafür, dass der Erfolg manchmal den musikalischen Charakter verdirbt: „I Love You So F***ing Much“ von den Glass Animals.

Wieder eine Band, die es geschafft hat, den musikalischen Underground als Sprungbrett zu nutzen, um dann den Mainstream zu erobern. Standen die Glass Animals zu Beginn ihrer Karriere für fiebrig-psychedelische Klangexperimente, die die Hörgewohnheiten manchmal herausforderten, aber immer spannend waren, so veröffentlichen sie heute vor allem leicht zugängliche Popsongs, bei denen man schon genau hinhören muss, um die Kantigkeit früherer Werke überhaupt noch erahnen zu können. „I Love You So F***ing Much“ zeigt schon mit seinem Titel, dass sich die aus Oxford stammende Band mittlerweile genau überlegt, was sie in Richtung ihrer Hörer*innenschaft rausposaunt. Schließlich will man niemanden verprellen und damit die potentiellen Verkaufszahlen von Alben oder Konzerttickets schmälern. Leider lässt die Platte alles vermissen, was das Quartett einst auszeichnete. Tracks wie „Creatures In Heaven“ oder „A Tear In Space“ wirken austauschbar und keineswegs aufregend produziert. Die Beats und Melodien sind flach, der Gesang von Frontmann Dave Bayley hat an Extravaganz verloren und die gesamte Dynamik ist vorhersehbar. Schade, wenn man bedenkt, welches Potenzial in den Debüt-EPs und ersten Alben der Glass Animals steckte. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Mainstream-Platten mag „I Love You So F***ing Much“ ungewöhnlich erscheinen. Wenn man die LP aber neben die Erzeugnisse gefeierter Spartenmusiker*innen stellt, verblasst ihr Antlitz binnen weniger Takte.


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von EINEN HAB ICH NOCH

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen