Frankreichs neuester Stern am neonbeleuchteten Rockhimmel: „Rock Machine“ von La Femme.
Im äußersten Südwesten Frankreichs liegt das Seebad Biarritz, das sich mit seinem einzigartigen Charme zu einem wahren Touristenmagneten entwickelt hat. Gleichzeitig ist die Stadt in der Region Nouvelle-Aquitaine aber auch die Geburtsstätte eines nicht minder betörenden Projekts: La Femme. Seiner Zeit – genauer gesagt im Jahr 2010 – waren es der Keyboarder Marlon Magnée und der Gitarrist Sacha Got, die die Formation ins Leben riefen und die dann später durch weitere Musiker*innen verstärkt wurden. Stilistisch bewegen sich La Femme zwischen Elektropop, New Wave, Psychedelica, Punk, Surfrock, der dem Gründungsort Rechnung trägt, und Yéyé – einer Mischung aus französisch-portugiesisch-spanischen Retro-Sounds, die bewusst an die Ästhetik der 60er Jahre erinnert. Nein, eigentlich bewegen sie sich nicht nur zwischen diesen Einflüssen, sie springen und rennen wild zwischen ihnen hin und her und reißen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist. Im Grunde genommen erwartet uns auch auf „Rock Machine“, dem fünften Studioalbum von La Femme, exakt diese auffällige Genre-Fusion. Doch wie das Cover und der Titel der Platte bereits andeuten, liegt der Fokus bzw. die stilistische Betonung diesmal deutlich mehr auf rockigen und düsteren Akzenten. Außerdem ist es die erste englischsprachige LP der Band. In vielerlei Hinsicht also ein kleiner Neuanfang, ein Bruch mit der bisherigen Diskographie, der aber keineswegs mit einem Qualitätsverlust einhergeht. La Femme klingen auf „Rock Machine“ noch genauso ausgeflippt, extravagant und mutig wie auf ihren früheren Veröffentlichungen. Mit der Entscheidung, englische Texte zu verwenden – was sie zu Beginn ihrer Karriere klar ablehnten – zollen sie auch ihrem immer größer werdenden internationalen Publikum Tribut und geben ihm die Chance, ihnen inhaltlich zu folgen. Der Spaß und die Leidenschaft am Musizieren, die die Mitglieder von La Femme verbindet, ist auf „Rock Machine“ allgegenwärtig. Es ist ein ambitioniertes Album, dessen Songs sowohl funktionieren müssen, wenn sie nebenbei beim Kochen aus dem Küchenradio dudeln, als auch, wenn sie live auf der Bühne riesiger Konzertstadien – zum Beispiel als Support der Red Hot Chilli Peppers – die Massen zum Tanzen bringen. Dieser oft schwierige Spagat gelingt La Femme mit den 13 Titeln, als wäre es das Einfachste, was man als Band eben tun kann. Weder wirken sie zu ehrgeizig, um an Authentizität zu verlieren, noch zu laissez-faire, um den Biss zu verlieren. Beeindruckend!


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