Eine Platte wie eine Naturgewalt: The Cures „Songs Of A Lost World“ ist archaisch, laut, massiv und trotzdem von Liebe und Zuversicht durchdrungen.
16 Jahre ist es her, dass The Cure ihr letztes Album „4:13 Dream“ veröffentlicht haben. Umso verständlicher also, dass „Songs Of A Lost World“ von den Fans sehnsüchtig erwartet wurde. Wer die britische Band schon in ihren Anfangstagen gefeiert hat, dürfte sich über diese LP besonders freuen. Denn Frontmann Robert Smith, der das Lippenstift-Tragen für Rockstars salonfähig machte, und seine Kollegen kehren zu dem Sound zurück, der besonders ihre frühen Werke prägte und The Cure zur popkulturellen Sensation machte: ein kantiger Stil, der tief in Alternative und Punk verwurzelt ist, aber auch mit Ambient, Goth und New Wave liebäugelt. Große Gesten werden auf „Songs Of A Lost World“ gezeigt. Verpackt in acht opulenten Tracks, denen sowohl eine gewisse Theatralik als auch die nötige Bodenhaftung innewohnt. Denn nur so lässt sich das Spiel mit der Melancholie meistern. Man muss sich in die tiefsten Abgründe stürzen, um sie erforschen zu können, und braucht gleichzeitig ein Sicherheitsseil, das einen wieder nach oben zieht. Dieses Seil ist die Hoffnung, die in Smiths Gesang und der Instrumentierung von Stücken wie „Alone“, „A Fragile Thing“ oder dem elfminütigen apokalyptischen Finale „Endsong“ mitschwingt. Das federt all die Sentimentalität und Angst ab, die die Platte transportiert. „Songs Of A Lost World“ fordert uns als Zuhörer*innen ganz bewusst heraus. Wir sollen uns mit uns und der Welt um uns herum auseinandersetzen. Es ist eines dieser Alben, die viel mehr sein wollen als nur Musik. Und wie man es von The Cure erwartet, schaffen es die Engländer natürlich auch, diesem Anspruch gerecht zu werden. Nach fast einem halben Jahrhundert im Geschäft glänzt die Band immer noch mit ihrem Songwriting, ihrem kompositorischen Können und der Art und Weise, wie die Songs produziert sind. The Cure – ein haufen Genies, die zum Inbegriff von Dark Wave und Post-Punk geworden sind.


Kommentar verfassen