REVIEW: Friedberg „Hardcore Workout Queen“

Schnittig: Friedbergs „Hardcore Workout Queen“ ist der messerscharfe Beweis dafür, dass es hierzulande Talente gibt, die es durchaus mit globalen Bigplayer*innen aufnehmen können.

Trotz all des Drucks und der Erwartungen von außen haben sich Friedberg, die seit über fünf Jahren als eine der größten Indie-Export-Hoffnungen Deutschlands gehandelt werden, ausreichend Zeit für die Arbeit an ihrem Debütalbum genommen. Frontfrau Anna Friedberg sagt, das sei ein bewusster Schritt gewesen. Denn das Album gleicht einer Reise. Und die muss ja auch erstmal begangen werden. Ein Trip, den die vier Frauen sowohl textlich als auch musikalisch festgehalten haben, und der sie in der Vergangenheit von Berlin über London bis nach Los Angeles führte, um mit den unterschiedlichsten Produzenten zusammenzuarbeiten, große Tastemaker-Festivals wie das SXSW zu spielen und den Kopf mit Inspirationen anzureichern. „Hardcore Workout Queen“ ist ein dynamisches Album von internationalem Format. Anstatt sich aufzuplustern zu müssen, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen, begeistern Friedberg durch ihren natürlich wirkenden „What the F**k!“-Charme. Irgendwo zwischen Avant-Pop, Alternative Rock und experimentellem Psychedelic-Getose hat das Quartett derweil seinen eigenen Stil gefunden, der mal an Madonnas „Ray of Light“, mal an „Cool It Down“ von den Yeah Yeah Yeahs oder „Warpaint“ von Warpaint erinnert. Auf jeden Fall feminin, stark, selbstbewusst. Wie eine Blaupause für ein emanzipiertes Weiblichkeitsbild. Die LP strahlt eine ungeheure Anziehungskraft aus. Sie pulsiert, sie lebt. Als Hörer*in will man unbedingt mit ihr interagieren. Spüren, was Songs wie „The Greatest“, „Better Than We Are“ oder „Venice 142“ mit dem Körper und seinen Prozessen machen. Wie sie erst zu Endorphinausschüttung, Pulsbeschleunigung und Anspannung führen, um im nächsten Moment Ruhe zu schenken und den Parasympathikus – unser inneres Entspannungssystem – zu aktivieren. Selten ist es einer deutschen Band in letzter Zeit gelungen, eine Platte zu veröffentlichen, die so rund klingt wie „Hardcore Workout Queen“, ohne dass man ihr die Anstrengung anmerkt, die dahinter steckt. Lässig erobern sich Friedberg ihren Platz im Veröffentlichungstrubel und werden ihn mit Sicherheit zu verteidigen wissen.


Kommentar verfassen

Entdecke mehr von EINEN HAB ICH NOCH

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen