REVIEW: Organi „Babylonia“

Diese Platte geht unter die Haut! „Babylonia“ von Organi löst sowohl Rauschzustände als auch vollkommene Ruhe und Harmonie aus.

Organi, das aktuelle Projekt des Oaklanders Mike Walti, hat sich dem musikalischen Gestern verschrieben, vor allem jener Zeit irgendwo zwischen den Sechzigern und den späten Neunzigern. Auf „Babylonia“ streift Walti durch einen wilden Genre-Mix, der neben französisch angehauchtem Retro-Pop à la Serge Gainsbourg auch Trip-Hop-, Chillout- und Dreampop-Elemente sowie experimentelle, jazzartige Ansätze vereint. Eine ambitionierte Mischung, die der Kalifornier aber gekonnt zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt. Lasziv, fiebrig und dann wieder sonnig, als läge man beim Hören am Strand und nehme im Hintergrund leise das Rauschen des Meeres wahr, entführt die LP an die unterschiedlichsten Orte und wird so ihrem Namen in vielerlei Hinsicht gerecht. Schließlich galt das antike Babylon als Ort, an dem Kulturen nicht nur aufeinander trafen und sich begegneten, sondern sich auch gegenseitig befruchteten. Wie Wellen, die etwas auslösen, das noch lange nachhallt. Genau das tut „Babylonia“: Erinnerungen wecken und weiterentwickeln. Fragmente aus den unterschiedlichsten Bahnen unseres weit verzweigten Gehirns, zwischen denen Funken sprühen, die dann ein neuronales Feuerwerk nach dem anderen entzünden. Man braucht keine bewusstseinserweiternden Substanzen, wenn man dank „Babylonia“ viel gesundheitsschonender auf eine mentale Reise, einen psychedelischen Trip gehen kann. Bequem von zu Hause aus. Begrenzt auf etwa eine halbe Stunde, die einem aber manchmal wie eine Ewigkeit und dann wieder wie die Länge eines Wimpernschlags vorkommt. Aufregend!


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