Ergreift und verbindet mit den Menschen hinter der Band: „The Bad Fire“ von Mogwai.
So düster wie es ihr Name vermuten lässt, sind Mogwai (chinesisch für dunkler oder böser Geist) weder musikalisch noch persönlich. Und doch haftet ihren Werken etwas Mystisches an. Etwas, das sich nur schwer fassen lässt und gerade deshalb eine gewisse Faszination ausübt. Seit Mitte der Neunziger hat die Band aus Glasgow ihre ganz eigene, unverwechselbare Version des Post-Rock entwickelt, verfeinert und etabliert. Zum dreißigjährigen Jubiläum veröffentlichen Mogwai nun ihr elftes Studioalbum „The Bad Fire“ – und spielen, wie der Titel schon andeutet, wieder mit dem Zwielichtigen, mit der Kombination aus Licht und Schatten. Denn seit dem letzten, euphorischeren Album „As The Love Continues“ (2021) mussten einige Bandmitglieder private Schicksalsschläge hinnehmen. Tod und Krankheit machten sich im Umfeld breit. Ins Studio zu gehen, an Songs zu arbeiten und einer gemeinsamen Vision zu folgen, half dem Quartett jedoch, den Kopf über Wasser zu halten und nicht von den Wogen dieser Ereignisse hinfortgerissen zu werden. „Wir hören oft von Leuten, dass unsere Musik ihnen geholfen hat, harte Zeiten in ihrem Leben zu überstehen, und das gilt auch für uns“, sagen Mogwai. Die Dynamik von „The Bad Fire“ zeigt, dass es nicht einfach ist, dem Alltag zu folgen, wenn wesentliche Teile dessen, was ihn ausmacht, ins Wanken geraten. Als Hörer*in können wir miterleben, wie viel Kraft es braucht, weiterzumachen. Dass es immer wieder Brüche und Zweifel gibt. So pendeln auch die Songs der Platte zwischen kantigen, opulenten, melancholischen, euphorischen und zarteren Klängen. Bäumen sich auf, dehnen sich aus und fallen wieder in sich zusammen wie Kartenhäuser. Genau das macht „The Bad Fire“ zu einem spannenden und letztlich auch lebensbejahenden Erlebnis. Die Schotten laden uns ein, uns auf Emotionalität in all ihren Facetten einzulassen. Ein manchmal beängstigendes oder deprimierendes Unterfangen, das sich aber lohnt, weil man sich selbst und seine Gefühle besser kennen lernt. „The Bad Fire“ ist dafür ein ausgezeichneter Katalysator. Fast eine Stunde lang erhält man Einblick in die Seelenwelt von vier Männern, die ihre Kunst als Reflexionsfläche zu nutzen wissen.


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