Komprimierter Kosmos: DARKSIDEs „Nothing“ ist – entgegen seinem Titel – viel. Mit Wucht sprengt die Platte eingefahrene Hörgewohnheiten und sorgt für Chaos, denn nur so kann eine neue Ordnung entstehen.
Die ehemaligen Studienkollegen Nicolás Jaar und Dave Harrington sind seit 2011 als DARKSIDE aktiv und bringen mit „Nothing“ nach „Psychic“ (2013) und „Spiral“ (2022) ihr drittes Album auf den Markt. Ein Album, das einmal mehr zeigt, welch enormes Potenzial aufeinandertrifft, wenn die beiden Amerikaner ihre Talente vereinen. Während Jaar vor allem für seine unkonventionellen elektronischen Beats und Sounds bekannt ist und bereits mit Künstler*innen wie FKA Twigs oder The Weeknd zusammengearbeitet hat, gilt Harrington als Wunderkind des Avantgarde-Jazz. „Nothing“ profitiert von der Unterschiedlichkeit seiner Schöpfer. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass keine Stilistik der anderen die sprichwörtliche Show stiehlt. Stattdessen herrscht eine natürliche Synergie, die enorme Energien freisetzt. Als würden zwei Atomkerne verschmelzen. Dave Harrington und Nicolás Jaar treiben sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Aus ihren meist improvisierten Ansätzen entspringen in Sekundenschnelle exzentrische Songs, die ihresgleichen suchen. In einem rauschenden Fest aus treibenden Rhythmen, mal mehr, mal weniger greifbaren Gesangsfetzen und pulsierenden Melodien lassen sich die Charakteristika ihrer Solokarrieren ebenso erkennen wie Einflüsse aus den unterschiedlichsten Ecken und Enden dieser Welt. So reihen sich Tracks aneinander, die ein extrem breites Spektrum offenbaren. Von Soul über Chillout und Ambient bis hin zu Rock, Reggae, Funk und Pop. Gespickt mit teils wilden, nervenaufreibenden Sequenzen oder aber meditativen Zwischenspielen. Gelassenheit trifft auf Ekstase, Ruhe auf Strum und Drang. Während sich DARKSIDE kreativ mit der Idee auseinandersetzen, dass in der sprichwörtlichen Abwesenheit von Dingen die Chance liegt, Raum zu gewinnen, zeigen sie, wie schnell sie diesen mit allem füllen können, was die Musikwelt zu bieten hat. Kein einfaches Album, aber eines, das immer wieder überrascht und bei jedem Hören neue Geheimnisse offenbart.


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