REVIEW: Albert af Ekenstam „Ghost In Us“

Albert af Ekenstam steht zu sich und seiner Verletzlichkeit und präsentiert mit „Ghost In Us“ ein ebenso melancholisches wie hoffnungsvolles Werk.

Menschen sind komplex. Das gilt auch für Männer – wenngleich man ihnen das gerne abspricht oder sie dies selbst tun und sich auf ihre basalsten Instinkte reduzieren lassen. Albert af Ekenstam bricht mit dem Klischee des gefühllosen Herren der Schöpfung und zeigt, dass Emotionalität eine Stärke und keine Schwäche ist. Denn dadurch, dass er seine Gefühle offen teilt, kann man als Zuhörer*in schnell eine Verbindung aufbauen, die hilft, dem Schweden in seine Gedankenwelten zu folgen. „Ghost In Us“ ist eine Reflexion, ein mutiger Versuch, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen, unabhängig davon, was dabei alles ins Bewusstsein gespült wird. Denn nur wenn wir uns dem stellen, was in uns rumort und brodelt, können wir neue Perspektiven, mehr Ausgeglichenheit und somit etwas wie Glück finden. Um den Prozess der Selbstfindung zu untermalen, oder besser: zum Ausdruck zu bringen, setzt af Ekenstam auf eine Mischung aus Indie und Postrock. Mal schwelgerisch, mal greifbar, fast scharfkantig. Unterstützt wird der Singer/Songwriter dabei von Produzent Filip Leyman und seiner Landsfrau Sumie Nagano – ebenfalls eine brillante Musikerin und Schwester von Yukimi Nagano, der Frontsängerin von Little Dragon. Während Sumie Nagano auf einigen Tracks als dezente Zweitstimme zu hören ist und die Lyrics der Platte sanft untermalt, hat Leyman für einen kristallklaren Sound gesorgt, der Raum für Nachhall lässt. Sowohl klanglich als auch emotional. Mit „Ghost In Us“ zeigt Albert af Ekenstam, dass es sich immer lohnt, sich mit sich selbst zu beschäftigen und anderen die Möglichkeit zu geben, dies als Anregung zu nutzen.


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