Was kann man da noch besser machen? DJ Kozes „Music Can Hear Us“ ist Kunst in Vollendung.
Nicht nur wir hören die Musik, sondern die Musik kann uns hören, wenn man dem Titel des neuen Albums von DJ Koze Glauben schenken darf. Denn Kreativität ist eine dialektische Beziehung, in der ein Output als Reaktion auf einen Input entsteht. Einfacher ausgedrückt: Songs sind oft ein Spiegel der Gesellschaft und ihrer Entwicklungen. Stefan Kozalla hat mehr als einmal bewiesen, dass er zu den findigsten und hellsten Köpfen unter uns Menschen gehört, die über solche Dinge nachdenken. Er betrachtet die Welt mit einer ihm innewohnenden Weisheit und besitzt gleichzeitig genug Humor und Naivität, um nicht an der Ernsthaftigkeit der Realität zu zerbrechen, an der viele andere verzweifeln. Als DJ, Musikproduzent, Musiker und Labelbetreiber hat es sich der gebürtige Flensburger – selbst gewählt und/oder von der Masse berufen – zur Aufgabe gemacht, die nicht immer schöne Gegenwart zumindest auf klanglicher Ebene aufzuhübschen. Denn das kann DJ Koze wie kaum ein anderer. Melodien und Rhythmen finden und zusammenfügen, die einen binnen eines Wimpernschlags in einen Zustand der absoluten Glückseligkeit versetzen. Egal, ob er sich als Remixer der Werke anderer annimmt oder eigene Tracks kreiert, wie zuletzt auf seinem vierten Studioalbum „Music Can Hear Us“ – das bereits dritte auf seinem eigenen Label Pampa Records. Wie schon beim Vorgänger „Knock Knock“, der mit einer beeindruckenden Gästeliste aufwartete, folgten auch diesmal wieder große Talente dem Ruf DJ Kozes, um mit ihren Gesangsbeiträgen die Magie der Platte zu potenzieren. Zu nennen sind hier beispielsweise Damon Albarn, Sophia Kennedy, Arnim Teutoburg, Markus Acher (The Notwist), Sofia Kourtesis, die langjährige Kollaborateurin Ada oder Anja Plaschg aka Soap&Skin. Als „kosmisches Synapsen-Rodeo“ beschrieben, setzt die LP konsequent auf das Motto „Wirf einfach alles zusammen, was auch für sich allein eine Sogwirkung entfaltet, kann nichts mehr schiefgehen“. Und genau so ist es. DJ Koze scheut sich nicht, sondern wächst daran, zum Beispiel indisch angehauchte Sequenzen neben deutschsprachigen, chansonartigen Gesang zu stellen, während Funk und Electronica im Hintergrund fröhliche Groove-Kinder zeugen, die ausgelassen durch die Gegend tanzen, bis über ihnen die dunkle, flirrende und von Grillenzirpen begleitete Nacht hereinbricht. Es braucht wahrlich keine Substanzen, um einen psychedelischen Trip zu erleben, wenn es doch „Music Can Hear Us“ gibt. Wobei man sich insgeheim schon fragt, was eigentlich passiert, wenn man die bewusstseinsverändernde Ausstrahlung des Albums durch die Wirkung von Drogen ergänzt. Hält das Gehirn das überhaupt noch aus oder geraten die Neurotransmitter dann völlig aus dem Takt? 5 von 5 Sternen für dieses Juwel, das in jede gut sortierte Vinylsammlung gehört und dort keinesfalls verrotten darf, sondern regelmäßig seine Runden auf dem Plattenteller drehen sollte. Vor allem, wenn Spaß und Freude gefragt sind.


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