Jenny Hval lässt die Welt der Klänge duften: „Iris Silver Mist“.
Synästhesie ist ein psychologisches Phänomen, bei dem verschiedene Sinneseindrücke miteinander verschmelzen. Zum Beispiel Sehen und Schmecken oder Riechen und Hören. Letzteres ist quasi der Aufhänger für Jenny Hvals neues Album, das nach einem Parfüm benannt ist. „Iris Silver Mist“ versucht, den gleichnamigen Duft von Maurice Roucel akustisch erfahrbar zu machen. Während der Pandemie, als die Wahrnehmung zeitweise auf die eigenen vier Wände beschränkt war, entdeckte die Norwegerin Hval ihre Faszination für die Welt der Olfaktorik (wieder). Begeistert von der Vielschichtigkeit duftender Erlebnisse entwickelte sie Texte und Melodien, die sich zum großen Teil mit der Verknüpfung von Sinneserfahrungen beschäftigen. Quasi Musik mit duftenden Akzenten zu versehen und gleichzeitig erlebbar zu machen. Die Basis dafür ist das emotionale Erleben. Denn letztlich sind unsere Sinne wie Hebel, die die dahinter liegenden Gefühle und dann die bewussten Gedanken aktivieren. Dass man sich dieses Zusammenhangs auch umgekehrt bedienen kann, zeigt Jenny Hval auf „Iris Silver Mist“ eindrucksvoll. Sobald Titel wie die Vorabsingle „Tob e a Rose“, das an Marina Abramovics Performance „The artist is present“ erinnernde „The artist is absent“ oder das Finale „I want the end to sound like this“ erklingen, beginnen sich vor dem inneren Auge Bilder zu formen, die Nase Pseudo-Gerüche zu produzieren und die Härchen auf der Haut so zu vibrieren, dass man meinen könnte, eine sanfte Brise streiche über sie hinweg. Die LP und ihre Schöpferin schaffen es, ein mehrdimensionales Erleben anzustoßen. Eins, das vor allem auf kühleren, nachhallenden Impulsen beruht. Wie der Duft „Iris Silver Mist“, der als silbrig und stählern, kalt und stechend, aber auch sanft und schimmernd beschrieben wird. Denn neben all der eisigen Frische gibt es auf Jenny Hvals Platte auch helle Sequenzen, die wie ein Sonnenstrahl über den glitzernden Schnee wandern und uns blenden. Das ist das Werk einer kreativen Intellektuellen, einer wahren Künstlerin.


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