Wie der Vater, so der Sohn – und doch anders: „Einaudi vs Einaudi“ ist der künstlerische Dialog zwischen zwei nicht nur genetisch verwandten, kreativen Geistern.
Ludovico Maria Enrico Einaudi stammt aus einer der einflussreichsten und kreativsten Familien Italiens: Sein Großvater war sowohl Operndirigent als auch Komponist, sein anderer Großvater Staatspräsident. Was seine eigenen Kinder betrifft, hat der 69-Jährige sein Talent ebenfalls an diese weitergegeben. Nicht nur seine Tochter Jessica ist als Musikerin und Sängerin aktiv, auch sein Sohn Leo tritt beherzt in die Fußstapfen seines mehrfach preisgekrönten Vaters. Und das ganz bewusst, während dieser ihm die Hände reicht und ihn in seine Welt mitnimmt. Schon lange haben sich die beiden Männer über die Werke des jeweils anderen ausgetauscht, philosophiert, Kritik geäußert und Ideen gegeben. Mit „Einaudi vs Einaudi“ gehen sie nun jedoch noch einen Schritt weiter. Konsequent. Denn Leo hat das letzte Album „The Summer Portraits” von Ludovico Einaudi, das Anfang des Jahres erschienen ist, herangezogen, um acht der Titel zu bearbeiten und mit seinen eigenen Klangimpulsen anzureichern. Stücke wie der Opener „In Limine”, „Pathos” oder „Rose Bay” haben dabei nichts von ihrem Glanz verloren. Als wäre es seit jeher vorbestimmt gewesen, verschmelzen die organischen, instrumentalen und klassisch-cineastischen Blaupausen mit Electronica- und Ambient-Impulsen. Dabei potenzieren sich die Ästhetiken beider Stilistiken und der dahinterstehenden Köpfe hervorragend. Man merkt, dass es sich nicht um eine reine Rework-Platte handelt, bei der ein Künstler das Werk eines anderen neu interpretiert. Vielmehr erleben wir einen intimen Austausch – zwischen Musikern, aber eben auch zwischen einem Vater und seinem Sohn. Eines der vielleicht archaischsten, aber auch sensibelsten Bilder: Die Weitergabe von explizitem und implizitem Wissen durch Zwischenmenschlichkeit und spirituelle Kontaktaufnahme. Furchtlos und mit dem festen Vertrauen, nichts falsch machen zu können, was die Liebe zu seinem Vater gefährdet, nähert sich Leo dem (über)mächtigen Werk. Er fügt genau an den richtigen Stellen neue, spannende und geschmackvolle Zutaten hinzu. Stets respektvoll und achtsam. „Einaudi vs. Einaudi” ist vielgliedriger und hypnotischer als „The Summer Portraits”, das jedoch für sich genommen ein phänomenales Contemporary-Album ist. Die Neuauflage ist ein wirklich seltenes Gut, sowohl im Erleben als auch im Nachhall. Von der Grundprämisse bis zur Ausführung atemberaubend!


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