REVIEW: Weval „CHOROPHOBIA“

Wevals „CHOROPHOBIA“ ist ein hervorragendes Mittel, ein echter Katalysator, um den Mut aufzubringen, losgelöst und ausschweifend übers Parkett zu fegen.

Als DJ steht man im Club meist selbst am wenigsten auf der Tanzfläche. Schließlich soll man hinter den Turntables dafür sorgen, dass die Massen davor in Bewegung bleiben und eine unvergessliche Nacht erleben. Schon der schnelle Gang auf die Toilette, wenn das letzte Bier auf die Blase drückt, kann ein echtes Wagnis darstellen – besonders, wenn sich eine Schlange vor der Tür gebildet hat. Wie soll man es also schaffen, die knappe Zeit, die bleibt, um einen Track in den anderen zu mischen, dafür zu nutzen, sich unter die Discokugel in die Menge zu begeben und ekstatisch abzustrampeln Für manche ist das aber auch die perfekte Ausrede, um sich nicht der potenziellen Bewertung der eigenen Moves durch andere aussetzen zu müssen. Die Chrophobie bezeichnet die Angst vorm Tanzen. Harm Coolen und Merijn Scholte Albers stolperten über dieses Phänomen, als sie überlegten, wie es mit ihrem Duo Weval nach drei gefeierten Alben und mehreren EPs weitergehen sollte. Sie bemerkten, dass ihre Musik zwar durchaus etwas Chilliges, Ätherisches an sich hat, das sich für den Beginn, das Warmwerden, oder den Ausklang einer Party eignet, sie bisher aber kaum Tracks für die Ekstase dazwischen produziert haben. Vielleicht aus der Sorge heraus, dass sie dies nicht bewältigen könnten? Was auch immer der Grund gewesen sein mag, ihr viertes Studioalbum „CHOROPHOBIA” ist eine direkte Konfrontation mit der Idee, nicht tanztauglich zu sein. Und wie es bei Expositionen üblich ist, geht es darum, durch Ausprobieren die gegenteilige Erfahrung zu machen. Weval gelingt das auf ganzer Linie.  „CHOROPHOBIA” ist eine beatlastige, aber auch melodische LP, die mit genug Energie aufwartet, um den Hörer*innen regelrecht einen Schub zu verleihen, der sie von ganz allein zappeln lässt. Auch ohne ihr willentliches Zutun. Die zehn Tracks bedienen ein breites Spektrum, das neben elektronischen Spielarten auch Einflüsse aus Pop, Hip-Hop und Rock enthält. Gut dosiert und so verteilt, dass sich in jedem neuen Stück ein weiteres kleines Highlight entdecken lässt. Dabei empowert die Platte nicht nur seine Macher, sondern dürfte auch die Konsument*innen davon überzeugen, dass sich bei einem solchen Genre-Gemisch die Frage, ob man sich „falsch“ oder „lächerlich“ bewegt, gar nicht erst stellt. Das, was einem da geboten wird, ist viel zu bunt, laut und undurchsichtig, als dass es sich irgendwelchen Normen verpflichten würde. Also aufstehen und abschwofen, bis es kein Morgen mehr gibt!


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