Alice Phoebe Lou würdigt ihre Anfänge und verzichtet bei „Oblivion“ auf jedwedes effekthascherische Beiwerk.
Während alle Welt Richtung Zukunft blickt oder verzweifelt versucht, den Moment auszukosten und sich mittels Achtsamkeit im Hier und Jetzt zu verwurzeln, entscheidet sich Alice Phoebe Lou, in die Vergangenheit zu schauen. Aus dieser scheint sie nämlich die Inspiration für ihr neuestes Album „Oblivion“ (zu Deutsch: Vergessenheit) gezogen zu haben. Begeistert von den Werken Joni Mitchells oder auch Leonard Cohens präsentiert die gebürtige Südafrikanerin einen Sound, der die Essenz des Songwritings der Sechziger und Siebziger des letzten Jahrhunderts filtert. Damit zollt sie nicht nur ihren Vorbildern Tribut, sondern belebt auch stilistisch eine Ära, in der sich Musik nachhaltig verändern sollte. Zudem besinnt sie sich auf ihre eigenen Wurzeln als Straßenmusikerin. Damals – nur mit Gitarre bewaffnet – schaffte sie es immer wieder, dass Menschen stehen blieben und ihr zuhörten. Gebannt einzig von ihrem Gesang sowie den Melodien und Lyrics ihrer Stücke. Wie stark diese nach wie vor sind – vielleicht sogar mehr denn je – zeigt „Oblivion“ eindrucksvoll. Die komplette Platte ist um die Idee herum gebaut, dass es nur einen guten Song braucht. Neben Akustik- und E-Gitarre spielt dabei auch das Klavier als Grundlage eine Rolle. Auf weitere Instrumente oder Programmierungen verzichtete Alice Phoebe Lou. Die Platte wirkt dadurch wesentlich schlichter als ihre direkten Vorgänger. Und auch Alice Phoebe Lous Stimme hat sich gewandelt. Sie zeigt noch mehr Verletzlichkeit. Sie bricht hier und da. Sie zittert. Genau das macht den authentischen Charakter von „Oblivion“ aus. Anstelle einer überproduzierten, geschliffenen Ästhetik gibt es rohes Material, das direkt mit verschiedensten Emotionen verbunden ist und diese auch bei den Zuhörer*innen auszulösen vermag. Obwohl keinesfalls massiv von ihrer bisherigen Diskografie entfernt, bildet „Oblivion“ doch einen kleinen Wendepunkt in der Karriere der 32-Jährigen – und möglicherweise auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Es geht nicht (mehr) darum, die nächste große Sensation im Popbusiness zu werden, sondern vielmehr das Mädchen in sich zu bewahren, das einst in seinem Schlafzimmer saß und Songs schrieb. Es nicht zu vergessen.


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