2026 ist das Jahr der kanadischen Supergroups: Kurz vor der für Mai angekündigten Veröffentlichung des neuen Albums von Broken Social Scene zeigen auch The New Pornographers mit „The Former Site Of“, warum es diese Acts nach wie vor braucht!
Bei der Supergroup The New Pornographers versammelt sich das Talent zahlreicher kreativer Köpfe in einer einzigen, komprimierten Band. Seit der Gründung im Jahr 1997 hat die Formation um Allan Carl Newman, der das Herzstück der New Pornographers bildet, ganze neun Alben veröffentlicht, denen nun mit „The Former Site Of“ das zehnte folgt. Anders als bei den Vorgängern entschied Newman, die Songs vorab weitgehend allein zu schreiben und zu komponieren und sie erst dann seinen Bandkolleg*innen zu geben, wenn ihm das Grundgerüst eines jeden Tracks vollständig klar war. Kathryn Calder, Neko Case, John Collins und Todd Fancey sollten dann lediglich den letzten Feinschliff vornehmen. Bisher hatte Newman sonst immer wieder deutlich unfertigere Skizzen und Ideen an die anderen geschickt, damit diese sie weiterentwickeln konnten. Oder man tarf sich zu gemeinsamen Jam-Sessions. Da alle Mitglieder der Supergroup jedoch eigene Projekte haben, die viel Zeit in Anspruch nehmen, wollte Newman dieses Mal den Aufwand reduzieren und unnötigen Energieverlust vermeiden. Folglich trägt „The Former Site Of” auch mehr denn je seine Handschrift. Das merkt man vor allem daran, dass die Platte eine der kohärentesten in der Diskografie von The New Pornographers ist. Mit wunderschönen Melodien erzählen die Kanadier zehn Geschichten über Charaktere, die in extremen Situationen feststecken und versuchen, mit diesen umzugehen. Es sind quasi mehr oder weniger erfolgreiche Rezepte für unsere von Multikrisen erschütterte Welt. Das Konzeptalbum verbindet dabei stilistisch Indiepop, Alternative Rock und Folk und liefert in Stücken wie „Spooky Action“ oder „Bonus Mai Tais“ zudem charmante Psychedelica-Referenzen, wie man sie aus den Siebzigern von Bands wie Queen oder Fleetwood Mac kennt – nur dass The New Pornographers auf weniger Bombast setzen. „The Former Site Of“ lebt von starkem Songwriting, einprägsamen Harmoniegesängen – vor allem der Fusion aus Neko Cases und Newmans Stimmen, die seit fast 30 Jahren zeigen, wie gut sie zusammenpassen – und einer Unaufgeregtheit, die dennoch von vielen kleinen und feinen Elementen durchdrungen ist und einem schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Genauso wie die Ironie, die hier und da durch die Texte blitzt. Wir erleben The New Pornographers auf einem weiteren Höhepunkt ihrer beeindruckenden Karriere, der viele frühere Werke in den Schatten stellt.


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