Die Botschaft ist klar: „Don’t Call It Love“ von Jonathan Bree mahnt, sich nicht allzu schnell in Einfältigkeit und Simplizität zu verfangen, wenn es um unsere tiefsten Triebe geht.
Wenn es darum geht, sich musikalisch dem Thema der Begierde zu widmen, dann ist natürlich auch eine gewisse erotische Grundstimmung erforderlich. Bei Jonathan Brees sechstem Studioalbum „Don’t Call It Love“ beginnt diese bereits mit dem Cover, das einen Po in Reizwäsche zeigt. Dazu sehen wir in Samt gepackte Hände, die über nackte Haut fahren. Ein sinnlicher Augenschmaus, der auch klanglich und lyrisch weitergedacht wurde. Der Neuseeländer, dessen Gesicht den meisten seiner Hörer*innen wohl unbekannt sein dürfte, da er es gern hinter einer Spandexmaske versteckt, hat ganz bewusst versucht, ein ebenso anstößiges wie verheißungsvolles Werk zu erschaffen. Dabei stützt er sich allem voran auf eine akustische Ästhetik, die bereits in den Achtzigern zeigte, wie lasziv Songs klingen können. Mithilfe von Synthesizern, elektronischen Keyboards, Bass, E-Gitarre und Drumcomputern erzeugt Bree repetitive Rhythmen und hypnotische Patterns. Ergänzt durch Streicher-Arrangements und andere Orchester-Instrumente. In Kombination mit seiner tiefen Baritonstimme und weiblichen, teils gehauchten Gast-Vocals – unter anderem von seiner Langzeitkollaborateurin Princess Chelsea sowie Rachel Clarke, Eloïse Labarbe-Lafon und Adah Dylan – sorgen diese Elemente für eine cineastische, theatralische Inszenierung und eine fast schon surrealistische Klangästhetik. Bree verbindet das Motiv der Lust bewusst mit etwas Mystischem, Dunklen, vielleicht sogar Gefährlichem. Eine düstere Romantik durchdringt die 17 Songs des Doppelalbums – voller nostalgischer Momente. Gleichzeitig sprechen die Texte offen von Begehren, Sexualität, Beziehungen und den komplizierten Rollen, die Menschen darin einnehmen. Um die Vielschichtigkeit menschlicher Ekstase zu beleuchten und zu hinterfragen nutzt Jonathan Bree auch immer wieder Übertreibung und Ironie, wie man sie beispielsweise von Sébastien Tellier kennt, der mit seiner LP „Sexuality“ 2008 ein ähnlich provokant-sinnliches Werk abgeliefert hat. Das beginnt schon beim Titel „Don’t Call It Love“, der wie ein Schlüssel zu Brees Spiel mit der Dialektik von Verbundenheit und Abhängigkeit, von Liebe und Obsession wirkt. Der Platte gelingt es hervorragend, einen als Hörer*in in einen Strudel aus New Wave, Pop Noir und Trip-Hop zu ziehen, dessen Sog man sich nur allzu schnell ergibt, statt dagegen anzukämpfen. Ein intensives, leidenschaftliches und explosives Album!


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