Angela Aux kann auch auf Deutsch das, was ihn seit jeher besonders macht: kluge Songs kreieren, die ebenso entschleunigen wie die Emotionen zum Rasen bringen. Seine neue Platte „Das Nichts macht Kopien von sich selbst“ ist der Beweis!
Wenn ein Künstler oder eine Künstlerin ein neues Album auf den Markt bringt, dann versenden Labels oder Promoagenturen vorab gerne Texte, die Journalisten mit Informationen versorgen und sie auf das entsprechende Werk einstimmen sollen – ein Schalk, wer hier von Manipulationsversuchen spricht. In den Worten zu Angela Auxs „Das Nichts macht Kopien von sich selbst“ wird der Münchner Musiker als melancholische Version von Helge Schneider beschrieben, als Shapeshifter, Formwandler, der sich gekonnt durch verschiedenste Genres bewegt. Oder als ebenso liebenswerter wie schusseliger Dadaist. Das Spannende daran ist, dass all das tatsächlich zutrifft. Während andere Presseinformationen oft zu verschnörkelt und aufgeblasen daherkommen, hat hier jemand die komplexe Seele des vielseitigen Florian Kreiersm, dem Mann hinter dem Projekt Angela Aux, gut eingefangen. Während seine letzten Alben bereits sein lyrisches Talent dokumentierten – jedoch stets auf Englisch –, ist „Das nichts macht Kopien von sich selbst“ eine Besinnung auf die eigene Mundart, die zuvor in seiner Diskografie noch nicht wirklich Einzug gehalten hatte. Und wer hätte es gedacht? Auch die Sprache der Dichter und Denker weiß Angela Aux für sich zu nutzen. Ohne jedwede Klischees, die ihr sonst gern anhaften. Eingepackt in einen reichhaltigen Sound – zwischen Folk, Singer-Songwriter, Electro und Psychpo, stets mit kleinen akustischen Spielereien versehen – glänzen die Lyrics in jedem einzelnen Moment, egal wie lässig verwaschen sie auch von Angela Aux dargeboten werden. Thematisch kreisen Kreiers Überlegungen derweil um jene Themen, die gerade ohnehin omnipräsent sind und die der Albumtitel bereits andeutet: die Rollen von Technologie, künstlicher Intelligenz und der zunehmenden, immer unberechenbareren Digitalisierung unseres Alltags. In einer Zeit, in der die Entfremdung der Menschheit droht, sorgt „Das Nichts macht Kopien von sich selbst“ mit seinen organischen Elementen und Melodien, die den Hauptfokus der LP bilden, für Bodenhaftung und Verankerung. Als Hörer*in kann man über die elf Songs eine Verbindung zu sich selbst aufbauen und nachspüren, was resonniert und was nicht. Welche Gedanken weitergedacht werden wollen, welche irritieren und welche die eigenen Ansichten bestätigen. „Das Nichts macht Kopien von sich selbst“ ist ein gelungenes Album, das dem verstaubten Klischee deutscher Musik ein Schnippchen schlägt und mit weltoffenem Charakter daherkommt.


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