Es ist vollbracht: ionnalee beendet ihre „MOUTH OF A RIVER“-Reihe mit einem entwaffnend berührenden „pt. 3“!
Jeder Fluss, der irgendwann und irgendwo einer Quelle entspringt, findet einmal sein Ende. Er mündet dann – manchmal auch über ein netzartiges System – in einem Ozean oder See oder er versickert. Im Fall des kreativen Flusses von Jonna Lee, besser bekannt unter ihrem Pseudonym ionnalee, sind wir uns sicher, dass er nicht einfach verebben und im übertragenen Sinne verdunsten wird. Dafür ist ihre Musik zu stark und zu reichhaltig und hat bereits zu vielen Menschen Lebendigkeit und Freude beschert. Und doch ist es an der Zeit, dass ihr mit der Metapher einer Flussmündung versehenes Triptychon „MOUTH OF A RIVER“ in seinem vorbestimmten Finale gipfelt. Nach 15 Jahren, in denen die Schwedin an den Songs gearbeitet hat. „ionnalee’s MOUTH OF A RIVER, pt. 3” stellt einen mehr als würdigen Höhepunkt dieser Album-Trilogie dar. Die LP ist noch eindringlicher, noch überirdischer und noch strahlender als „pt. 1” und „pt. 2”. Angefacht von Synthesizern und Drumbeats mäandern die zehn Tracks in Richtung Unendlichkeit. Wie die anfangs erwähnten Wassermassen, die sich ihren Weg ins offene Meer bahnen, angereichert mit Erinnerungsfetzen und Nährstoffen, und bereit für die Dunkelheit, die vor ihnen liegt. Denn so sehr die Tracks auch von innen heraus leuchten, lässt sich, vor allem in Momenten der Stille und des Halls, auch etwas Düsteres ausmachen. Oder auch ganz explizit in einem lodernd-bedrohlichen Track wie „wipe it off“. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass „ionnalée’s MOUTH OF A RIVER, pt. 3” seinen letzten Schliff während eines Trauer-Prozesses erhielt. Im Sommer dieses Jahres war Lees Mutter verstorben, was auch den Release der Platte verzögerte. Dieser private Schicksalsschlag – so grausam er auch gewesen sein mag – führte letztlich dazu, dass den Songs nun eine noch größere Tiefgründigkeit anhaftet. Zwar besaßen auch die beiden Vorgänger diese Eigenschaft, doch wird sie hier noch greifbarer in den Gesängen und Instrumentierungen. Es ist jene Verletzlichkeit, die nur dann auftaucht, wenn ein Verlust droht, uns aus dem Leben zu reißen. Rau und ungnädig, gleichzeitig aber auch Nährboden für wahrhaftige Emotionen. Und diese durchdringen „ionnalée’s MOUTH OF A RIVER, pt. 3” von der ersten bis zur letzten Sekunde. Zu bedenken sei jedoch, dass „MOUTH OF A RIVER“ als Gesamterlebnis gedacht ist, das man am besten von vorn bis hinten am Stück hören soll. Nun haben alle genau dazu die Möglichkeit und können vollständig in das von Naturgewalten inspirierte, fantastische, tiefblaue Reich von ionnalee eintauchen. Denn wenn ihre Songs eine Farbe haben, dann diese! Sich dem hinzugeben, ist ein uneingeschränkt empfehlenswertes Unterfangen, für das man jedoch Ruhe und Zeit mitbringen sollte, damit es Wellen im eigenen Verstand und Gefühlsspektrum anstoßen kann, die sich zu einem Tsunami auftürmen, wenn man sich wirklich darauf einlässt.


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