REVIEW: Bang Gang „The Wolves Are Whispering“

Bang Gang by Xi SinsongMystisch und einer romantischen Vergangenheit zugewandt wirken die Bewohner des Inselstaats Island. Einer, der dabei aufgrund seiner äußeren Gestalt und seiner fahlen Ausstrahlung besonders ins Auge sticht, ist Barði Jóhannsson. Der zarte, androgyne Musiker gründete 1995 das von Trip-Hop, Electronica und Shoegaze inspirierte Projekt Bang Gang und hat sich im Laufe seiner zwanzigjährigen Karriere stets als stilles Mastermind der Independentbranche behaupten können. Zahlreiche Kollaborationen, darunter mit Keren Ann, GusGus, M83s Anthony Gonzales oder AIRs Jean-Benoît Dunkel, bescherten ihm derweil viel Aufmerksamkeit und führten dazu, dass Jóhannsson Kontakte in ganz Europa aufbauen konnte. Diese, sowie sein unerschöpfliches Interesse für atmosphärische Songs fernab eines massentauglichen Geschmacks, halfen ihm jüngst auch bei der Realisierung seines neusten Albums „The Wolves Are Whispering“. Erneut schlüpfte Jóhannsson dabei in die Rolle des blassen Gesichts hinter Bang Gang, das sanft wispernd seine Geschichten erzählt und fiebrige Melodien aus den Tiefen des Dream Pops heraufbeschwört.

The Wolves Are WhisperingEs ist beinahe ein wenig ungewöhnlich, dass eine Platte wie „The Wolves Are Whispering“ im Sommer erscheint – ist die Grundstimmung doch eher melancholisch und trüb. Wie ein dichter Bodennebel bahnen sich Stücke namens „We Will Never Forget“, „Out Of Horizon“, „Sabazios O“ oder „Wait By The Lake“ in der Folge ihren Weg und bilden einen starken Kontrast zu sommerlichen Gefühlen des Glücks und der Freude. Jóhannsson verdeutlicht mit „The Wolves Are Whispering“ einmal mehr die Schattenseiten des Daseins, denen aber bei genauer Betrachtung eine atemberaubende Schönheit abzugewinnen ist. Gleichzeitig lädt der 39-Jährige ein paar seiner jungen Kollegen ein, mit ihm den akustischen Abgesang zu feiern. Sei es das sensible Duett mit der Samaris-Frontfrau Jófríður Ákadóttir („A Letter Carved In Stone“) oder der wesentlich massivere Opener „The Sin Is Near“ mit dem Quartett Bloodgroup – an der Seite Jóhannssons laufen die ebenfalls aus Island stammenden Newcomer zu wahren Höchstleistungen auf. Neben diesen Kooperationen tut sich Jóhansson aber darüber hinaus auch erneut mit seiner langjährigen Freundin und Kollegin Keren Ann für das sinnliche „A Lonely Bird“ und mit Ladytrons Helen Marnie für das psychedelisch angehauchte „Silent Bite“ zusammen. Wenn das Flüstern der Wölfe derart beeindruckend klingt, wie es die neun Stücke auf dem analog betitelten Album tun, dann sollte man sich wohl öfter des Nachts in den Wald verirren und ihnen ein Ohr schenken.

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