REVIEW: BOY „We Were Here“

BOY by Debora MittelstaedtDer Erfolg kam nicht über Nacht. Es hatte eine Weile gedauert, bis die ganze Nation sie feierte. Zuvor waren Valeska und Sonja unermüdlich mit ihren Songs durch kleine Clubs gezogen, hatten andere Bands auf deren Shows supportet und jedwede Möglichkeit genutzt, um ihr Duo BOY in Deutschland und der Schweiz bekannt zu machen. Die Plattenfirmen zeigten sich damals eher wenig begeistert von der Musik der beiden Frauen und wussten nicht wirklich, wem sie diese verkaufen sollten. So war es am Ende ein echter Segen für BOY, als sie bei Herbert Grönemeyers Grönland Records Unterschlupf fanden. Trotz all der anfänglichen Misserfolge und des eher zähen Karrierestarts hatten die Freundinnen stets an das geglaubt, was sie machten, und waren überzeugt von der Kraft ihrer Songs. Irgendwann schaffte es dann die Hitsingle „Little Numbers“, zum kollektiven Ohrwurm zu avancieren und BOY an die Spitze der Charts zu katapultieren. Es folgten ausverkaufte Tourneen, Reisen um die ganze Welt und zahlreiche Auszeichnungen. BOY waren zum Aushängeschild handgemachten Pops geworden.

We Were HereOhne große Unterbrechungen sind Valeska und Sonja nach dem Release ihres Debütalbums „Mutual Friends“ (2011) unterwegs gewesen – und obwohl viele ihrer Fans die Hoffnung auf eine Nachfolgeplatte schon fast aufgegeben hatten, kündigten BOY diese im Frühling endlich an. „We Were Here“ ist wie ein Zeichen, das ein Pärchen in einen Baum geritzt hat, um zu zeigen, dass es sich unter diesem seine Liebe gestanden hat, wie ein Fotoalbum, das verschiedenste Momentaufnahmen beherbergt, wie ein Strauß voller schöner Blumen. Mit der gewohnten Treffsicherheit schaffen es BOY auch auf „We Were Here“, eingängige Melodien zu erschaffen, die fern von jeder Abgedroschenheit oder Trivialität unter die Haut gehen. Aufrichtig und gefühlvoll erzählen Songs namens „Hit My Heart“, „Hotel“ oder „New York“ ihre Geschichten. Mal energetisch wie der titelgebende Opener „We Were Here“, mal sanft wie der Endtrack „Into The Wild“. BOY haben sich auch bei der Entstehung ihrer neuen Platte nicht hetzen lassen und so lange daran herumgeschliffen, bis sie vollkommen mit dem Ergebnis zufrieden waren. Dieser Herangehensweise ist es zu verdanken, dass „We Were Here“ ein raffiniertes Album geworden ist, das zudem durch eine sehr feingliedrige Produktion ins rechte Licht gerückt wird. Erneut werden klassische Songwriterstrukturen dabei von kleinen, elektrifizierten Spielereien aufgebrochen und in ihrer Wirkung unterstützt. „We Were Here“ vertreibt sämtliche Befürchtungen, es könne sich bei BOY um eine musikalische Eintagsfliege gehandelt haben.

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