REVIEW: Braids „Companion“ (EP)

Braids by Karoline LebrunWenn eine Band an einem neuen Album arbeitet, dann entstehen während dieses Prozesses meist wesentlich mehr Songs, als die, die wir final auf Vinyl, CD oder digital zu hören bekommen. Doch was geschieht mit all den Skizzen und Bruchstücken jener unfertigen, teils allerdings auch schon komplett ausgearbeiteten Tracks? Manche von ihnen dürfen oder müssen als Füllmaterial für Single-Releases herhalten, wohingegen andere erst zu einem späteren Zeitpunkt, vielleicht auf einem weiteren Album, einer Best-Of- oder Rarities-Platte, den Weg ins auditive Rampenlicht finden. Viele solcher Stücke, der Großteil vermutlich, bleiben jedoch für immer verborgen, landen in Unterordnern irgendwelcher Festplatten und verlieren sich im Laufe der Zeit. Ob das von Vor- oder Nachteil ist, lässt sich nur mittels der Prüfung des Einzelfalls sagen.
Dass das Trio Braids bei der Zusammenstellung seiner letzten LP „Deep In The Iris“ (2015) ein glückliches Händchen in der Songauswahl bewiesen hat, stellte nicht nur unsere Redaktion, sondern auch viele andere Musikportale fest. Das Drittwerk der Kanadier besticht durch einen warmen Electrosound, spannende Melodien und ein sehr vielschichtiges Songwriting. Nun gibt es mit der EP „Companion“ eine passende Zugabe.

CompanionDie „Companion“-EP wird ihrem Namen vollends gerecht und stellt einen vielversprechenden Wegbegleiter für „Deep In The Iris“ dar. Braids selbst sehen in der Veröffentlichung dennoch ein eigenständiges Werk, auch wenn alle vier darauf befindlichen Tracks während der Sessions zu „Deep In The Iris“ entstanden sein mögen. Tatsächlich funktioniert „Companion“ ebenso als in sich geschlossener Mikrokosmos, der vom melancholischen Titeltrack „Companion“ bis zum finalen „Sweet World“ die akustische Bandbreite von Raphaelle Standell-Preston, Austin Tufts und Taylor Smith zu unterstreichen vermag. Während der Anfang der EP noch von schwermütigen Synthies und einem klagenden Gesang Standell-Prestons getragen wird, entflieht „Joni“ in Richtung Experimentalpop und ruft Erinnerungen an Braids Debüt „Native Speaker“ aus dem Jahre 2011 wach. „Trophies For Paradox“ badet derweil in verträumten Electronica-Harmonien, die mithilfe des Einsatzes einer Akustikgitarre aufgelockert werden, wodurch sich sämtliche Schwere auf dem Weg zu einem energiegeladenen Finale verflüchtigt. Als glanzvoller Endpunkt hinterlässt das siebenminütige „Sweet World“ schließlich ein Gefühl der Sehnsucht, das nur gestillt werden kann, indem man die EP erneut abspielt. Es wäre mehr als schade gewesen, wenn Braids aufgrund von Tour- und Promotionstress weder Kraft noch Zeit gefunden hätten, um „Companion“ zu realisieren. Doch wusste die Band scheinbar um die Stärke jener Stücke, mobilisierte ihre letzte Energien und schusterte ihnen den perfekten Rahmen zusammen.

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