REVIEW: Klangstof „Close Eyes To Exit“

klangstofDie Welt ist der Spiegel zu uns selbst. Erst durch die Erfahrungen, die wir auf diesem Planeten machen, erhalten wir die Möglichkeit, unser tiefstes Inneres, unsere Sehnsüchte und Wünsche zu erforschen. Ohne einen Gegenspieler, ohne ein Umfeld, ohne Input und Austausch wären wir hingegen nur Gefangene in einer Blase aus Bedeutungslosigkeit. Es ist die Interaktion mit anderen Menschen, dem Weltgeschehen, der Kunst oder auch den alltäglichen Dingen des Lebens, die uns spüren lässt, wer und wozu wir fähig sind. Für den Norweger Koen van de Wardt war es Radioheads „Ok, Computer“ (1997), das in ihm das Verlangen weckte, zur Gitarre zu greifen und sich selbst das Spielen dieser beizubringen. Der erste Stein in einer Reihe aus wichtigen Ereignissen, zu denen auch eine Mitgliedschaft in der niederländischen Band Moss zählt, war gefallen und stieß eine Kettenreaktion an, die von de Wardt in den letzten Jahren zu dem Projekt Klangstof führen sollte. Zusammen mit drei Musikerkollegen, die vor allem beim Einspielen der Platte wichtig waren, erweckt er auf „Close Eyes To Exit“ seine akustischen Träume und lässt uns daran teilhaben.

close-eyes-to-exit„Close Eyes To Exit“ ist nicht nur reiner Albumtitel, sondern vielmehr auch eine Aufforderung, sich vom Hier und Jetzt zu lösen, die Augen zu schließen und sich von einer Welle aus 11 Songs davontragen zu lassen. Klangstof – zusammengesetzt aus dem norwegischen Wort für Echo und dem niederländischen für Staub – haben es sich auf „Close To Exit“ zur Aufgabe gemacht, feinste Dream-Pop und Shoegaze-Partikel in das Universum zu schießen. Aufgeladen von kosmischer Energie benetzten diese nach ihrer Rückkehr auf unsere Erde den Verstand und rufen Reaktionen der Euphorie und Melancholie in uns hervor. Van de Wardts Stimme wird dabei zum schwelenden Katalysator. Wie ein seichter, warmer Regenschauer ergießen sich Songs wie „Sleaze“, „Telephone“ oder „Hostage“ über ihre Zuhörer und demonstrieren, dass elektronische Musik durchaus organische Tendenzen aufweisen kann. Tendenzen, die diese Art von Musik noch intensiver, noch erlebbarer machen. Ein wirklich großartiges Debüt voller zarter Klangästhetiken und ausschweifender Augenblicke. Da dürfte auch Thom Yorke seinen Daumen nur allzu gern nach oben drehen. Schließlich kann er stolz darauf sein, was er vor fast zwanzig Jahren mit dem Release von „Ok, Computer“ angestoßen hat.

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