REVIEW: Little Dragon „Season High“

Der kleine Drache ist zurück, um Feuer zu versprühen! Die schwedische Band Little Dragon veröffentlicht am heutigen Tage ihr fünftes Studioalbum „Season High“. Erneut beschreitet das Quartett dabei musikalische Wege, die für sein Heimatland nicht unbedingt charakteristisch sind. Statt des typischen Indierocks, -pops oder Electro greifen Little Dragon beherzt auf das breit gefächerte Angebot aus Funk, Soul und R’n’B zurück und erschaffen damit einmal mehr den charakteristischen Sound, der sie in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem der erfolgreichsten Exportschlager des Königreichs an der Nordsee gemacht hat – Kollaborationen mit den Gorillaz, SBTRKT oder Rapper Drake eingeschlossen. Eine Schlüsselfunktion scheint dabei Frontfrau Yukimi Nagano zu spielen, die mit ihrem bunten familiären Hintergrund, nahezu prädistiniert für klangliche Fusionsexperimente aller Art ist. Die Tochter eines japanischen Vaters und einer schwedisch-amerikanischen Mutter liebt – genau wie ihre Kollegen Håkan Wirenstrand (Keyboard), Erik Bodin (Schlagzeug) und Fredrik Källgren Wallin (Bass) – das Spiel mit stilistischen Brüchen, wodurch es Little Dragon möglich wurde, sich vom Einheitsbrei ihrer Mitstreiter abzuheben und eine eigene künstlerische Nische zu besetzen.

Doch vier Individualisten in einer Band bedeuten auch Stress und Streitigkeiten, vor allem, wenn keiner von ihnen seinen eingenommen Standpunkt verlassen will. Während der Entstehungsarbeiten zu „Season High“ belastete diese Tatsache die Zusammenarbeit der Gruppe stark, fiel es doch schwer, einen gemeinsamen Konsens zu finden. Als aber alle Ideen besprochen und die kreativen Differenzen beiseitegelegt waren, nutzen Little Dragon das Potenzial, das ihrer Beharrlich- und Unterschiedlichkeit innewohnt, um daraus einen höchst exzentrischen Patchwork-Teppich zu stricken. Muster aus Fernost ebenso inklusive wie Synthie Pop- oder New Wave-Fragmente. „Season High“ ist ebenso bittersüß und eingehend, wie es nervig und sperrig ist. Tracks wie „Should I“, „Push“ oder „Sweet“ verwehren sich konsequent, als entspannendes Hintergrundgedüdel missbraucht zu werden und fordern stattdessen stets die Aufmerksamkeit ihrer Zuhörer – als handele es sich bei ihnen um hyperaktive ADHS-Kinder, die nicht im Traum daran denken, die Füße oder den Mund stillzuhalten. Die Quirligkeit von „Season High“ ist Stärke und Schwäche zugleich. Als Hörer muss man sich zu 100% auf die Platte einlassen wollen, um aus all den quietschenden und pulsierenden Rhythmen, das Potenzial des Albums heraushören zu können. Auch wenn „Pop Life“, „Butterflies“ und „Gravity“ einen etwas gedämpfteren Eindruck erwecken mögen, ist die Grundstimmung auf „Season High“ energetisch. Eine echte Little Dragon-LP eben!

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