REVIEW: Desire Marea „Desire“

Desire Mareas Debüt „Desire“ wird erstmalig in schwarzes Gold gegossen und kommt so der Unsterblichkeit ein ganzes Stück näher.

Anders zu sein ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil! Manchmal liegt genau darin der Reiz. Auch fürs Publikum. Desire Marea ist anders. Anders als viele Kolleg*innen. Mit denen Musik distanziert sich dey nichtbinäre Musiker*in klar vom Einheitsbrei der gemeinen Pop-Branche und reibt sich stattdessen lieber ausgiebig an allen Ecken und Enden dessen, was wir langläufig als „normal“ bezeichnen würden. Wie raues Schleifpapier. „Desire“, das Debütalbum dey Südafrikaner*in, erschien zwar schon im Januar 2020, damals jedoch nur digital. Heute feiert die dazugehörige Vinyl-Version ihre Geburtsstunde. Zeit, sich die Platte noch einmal vorzunehmen und ihr ein waches Ohr zu schenken. Denn das braucht es, um nicht völlig von Mareas ausgefallenem Kunstprojekt überfahren zu werden. Beziehungsweise lassen sich die neun Songs sowieso nicht beiläufig konsumieren. Dafür sind sie viel zu extrovertiert, viel zu kantig. Irgendwo zwischen Trap, Freak-Pop, Avant-Garde und Oldschool-House geht Desire Marea in die Vollen und beschwört eine LP herauf, die gleichzeitig irritiert und fasziniert. Wobei manch eine*r hier vielleicht sogar von unzumutbarer Experimentierfreude oder Krach sprechen würde. Tatsächlich ist „Desire“ nichts für schwache Nerven. Immer wieder sorgen unrhythmische Drumbeats, wummernde Drones und schwelende Synthesizer für Schweißausbrüche. Dieses Album hört man nicht, man erlebt es. Und wer dem Ganzen eine Chance gibt, wird mit Gefühlsstürmen unterschiedlichster Art belohnt. Von Angst („Studies In Black Trauma“) über Wollust („You Think I’m Horny“) bis hin zu düsterer Melancholie („Tavern Kween“).

*dey/denen/deren: Pronomen für nichtbinäre Menschen, die weder mit er noch sie bezeichnet werden möchten 

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