REVIEW: Martina Topley-Bird „Forever I Wait“

Eine LP, die jeden Trip-Hop-Fan gänzlich um den Verstand bringen dürfte: Martina Topley-Bird erklimmt mit „Forever I Wait“ selbstbewusst den Gipfel der zeitgenössischen Downtempo-Bewegung.

Martina Topley-Birds Karriere begann damit, dass Trip-Hop-Legende Tricky sie 1993 in der Nähe seines Hauses auf einer Mauer sitzend entdeckte. Die damals 18-Jährige sang derart anmutig vor sich hin, dass der Rapper und Songschreiber keine andere Wahl hatte, als zu versuchen, sie für sein musikalisches Solo-Projekt zu gewinnen. In der Folge steuerte Topley-Bird Vocals auf Trickys Debütalbum „Maxinquaye“ (1995) sowie späteren Veröffentlichungen bei, wurde eine Zeitlang zu seiner Lebensgefährtin, gebar ihm eine Tochter und etablierte sich als fester Bestandteil der aufkeimenden Bristoler Szene. Nach drei Soloalben – „Quixotic“ (2003), „The Blue God“ (2008), „Some Place Simple“ (2010) – und Gastauftritten auf Platten der Gorillaz, Diplo, The Prodigy und Massive Attack präsentiert die Mittvierzigerin nun „Forever I Wait“ – ihr Meisterstück! Verführerisch bezirzen die zwölf darauf befindlichen Tracks die Sinne und katapultieren den Hörer unmittelbar in die Hochphase des Trip-Hops Ende der Neunziger zurück. Damals, als Understatement noch nicht zu einer inhaltsleeren Floskel verkommen war und Hip-Hop und Electronica erstmals ihre explosive Liason aufflammen ließen. Zusammen mit Freund und Massive Attack-Mastermind Robert „3D“ Del Naja, der als Produzent zahlreicher Titel fungierte, frönt Martina Topley-Bird der akustischen Ästhetik vergangener Tage. Beziehungsweise haucht sie dieser neues Leben. Denn im Laufe der letzten zwei Dekaden verkam der Trip-Hop leider zunehmend zu einer intellektuellen Randerscheinung im modernen Popkulturgeschehen. Nur noch wenige Künstler*innen beherrschen die Kunst, düster funkelnde Beats derart mit gehauchten Sprechgesängen zu fusionieren, dass dabei die Funken nicht nur überspringen, sondern zu den Sternen am Nachthimmel werden. Flackernde Lichter in der Weite der Unendlichkeit. Martina Topley-Bird gelingt dies jedoch auf ganzer Linie. 

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