REVIEW: Damon Albarn „The Nearer The Fountain More Pure The Stream Flows“

Ein Album der Grautöne: Damon Albarn widmet sich auf „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ den eher farblosen Klängen, weiß diesen aber durchaus ihr Potenzial zu entlocken.

Eigentlich bedarf es keiner wirklichen Vorstellung. Als Frontmann von Blur zählt er zu denjenigen, die die Geburtstunde des Britpops einläuteten, mit den Gorillaz schenkte er der Welt die erfolgreichste Comic-Band aller Zeiten, sein Projekt The Good, the Bad & the Queen erntete Lorbeeren von allen Seiten und auch seine Kollaborationsliste beeindruckt durch Acts wie Massive Attack, Fatboy Slim oder Marianne Faithfull. Er komponierte Soundtracks, inszenierte eine Oper („Dr. Dee: An English Opera“, 2012) und ist aus der Musikbranche kaum wegzudenken. Damon Albarn ist Schöpfer, einer der exzellentesten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf seinem zweiten Soloalbum „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ präsentiert sich der Brite nachdenklicher denn je, fast schon grüblerisch, und erinnert damit an Spätwerke von David Bowie oder Iggy Pop – wenngleich er mit seinen 53 Jahren noch nicht daran denken dürfte, sich zur Ruhe zu setzen. Gekonnt schlägt Albarn ernstere Töne an und taucht sie in eine schwarz-weiße Kulisse aus orchestralen Instrumentierungen. Ohne zu übertreiben, ohne plakativ zu werden. Inspiriert von den kargen Landschaften Islands destilliert er in den Tracks der Platte eine melancholische Sehnsucht. Warme Sounds sucht man auf „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ hingegen vergeblich. Zwar gibt es ein paar aufleuchtende Momente („Royal Morning Blue“,„The Tower Of Montevideo“,), doch sind es im Groben und Ganzen eher ein nass-kalter Wind und graue Wolken, die das Album durchziehen. Ursprünglich als ein einziges zusammenhängendes Stück konzipiert, greifen auch die später separierten Songs nach wie vor nahtlos ineinander und reflektieren den Schmerz einer zunehmend pessimistischeren Gesellschaft. Lassen wir nun also kurz den Kopf hängen und entspannen unsere Muskeln, während „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ im Hintergrund läuft. Vielleicht finden wir so neue Kraft, um wieder zuversichtlicher in Richtung Zukunft blicken können.

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