REVIEW: Aurora „The Gods We Can Touch“

Blasphemie, Ironie oder eine notwendige Erkenntnis? Aurora stellt auf „The Gods We Can Touch” grundlegende religiöse Gegebenheiten in Frage und präsentiert sich gleichzeitig derart sicher in ihrer akustischen Stilistik, dass man nur anerkennend in die Hände klatschen möchte.

Wer nach dem Nordlicht benannt ist, der kann eigentlich gar nicht anders, als sich dem Mystischen, Übernatürlichen zu verschreiben. Kein Wunder also, dass die norwegische Sängerin Aurora Aksnes in ihren Songs immer wieder Bezug auf spirituelle Phänomene nimmt und die Natur als grundlegende Kraft für alles Leben feiert. Auf ihrem neuen Album „The Gods We Can Touch“ greift die Mittzwanzigerin ihre Gedankenspiele diesbezüglich erneut auf und beschäftigt sich vor allem mit der Beziehung zwischen den Schöpfern und ihren Schöpfungen, wie der Titel der LP bereits verrät. Im Fokus stehen dabei die Götter der griechischen Antike und die durchaus provokante Frage, ob diese nicht vielleicht nur eine Projektionsfläche für das Göttliche im Menschen darstellen. Mehr denn je lassen sich Auroras Überlegungen über die Texte hinaus auch in der musikalischen Ausgestaltung der Tracks entdecken. Stücke wie „Everything Matters“, „Cure For Me“ und „A Dangerous Thing“ versammeln ätherische Ethnopop-Sequenzen, beseelte Dreampop-Reigen und mit Uptempo-Einflüssen gespickten Electropop-Momente in sich. Dadurch vermag es die Platte, unterschiedlichste Stimmungsangebote zu machen, die der breiten Gefühlswelt einer jungen Erwachsenen deutlich mehr gerecht werden, als die Begrenzung auf eine Zerbrechlichkeit oder süße Naivität, die früheren Veröffentlichungen Auroras anhaftete. Die Stavangerin beweist, dass sie nicht nur das Zeug zu einer großen Popdiva hat, sondern bereits eine ist. Eine mit klaren Visionen und einem Gespür für spannende Dynamiken. „The Gods We Can Toch“ stellt mit Abstand den qualitativen Höhepunkt ihrer noch jungen und vielversprechenden Karriere dar.


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