REVIEW: Cascadeur „Revenant“

Cascadeurs „Revenant“ bedient sich einer Stilistik, die an ein fast schon vergessenes, auditives Gestern erinnert, und überführt deren Flair ins Hier und Jetzt.

Aus seinem Metzer Heimstudio entsendet Alexandre Longo alias Cascadeur eine Pop-Noir-Platte voller Melancholie und Ekstase. „Revenant“ würde hervorragend als Soundtrack für Retro-Filme wie „Lolita“ oder „La Dolce Vita“ funktionieren. Die Platte besitzt einen durchweg cineastischen Geist, regt sofort zum Kopfkino an und betört durch ihren bittersüßen Chanson-Beigeschmack. Als wäre das Album vor 50 bis 60 Jahren geschrieben und produziert worden und hätte ihr Dasein bis heute in einer verstaubten Kiste auf dem Dachboden einer Künstlerwohnung gefristet, wo sie ein neugieriger Geist gefunden und wiederbelebt hat. Zwar ist das nicht die tatsächliche Hintergrundgeschichte zu „Revenant“, doch würde man Cascadeur, der entsprechend seines Monikers meist in einem alten Stuntman-Outfit auftritt, durchaus zutrauen, dass er in der Lage sei, durch die Zeit zu reisen. Der extravagante Songwriter und Komponist dürfte dem ein oder anderen Musikinteressierten vielleicht schon durch seinen Beitrag zur akustischen Untermalung der Netflix-Detektivserie „Lupin“ bekannt sein, für die er den Song „Meaning (Choral Version)“ beisteuerte. 
Was „Revenant“ besonders reizvoll macht, sind die vielen auf Französisch gesungenen Stücke – passt die Sprache doch wesentlich besser zu der mystischen Klangkulisse und dem fragilen, androgynen Gesang als die englische Mundart, die bisher die Werke Cascadeurs dominiert hat. Doch trotz dieser Tatsache wissen auch Tracks wie „Respirator“ oder „In A Dream“ durch ihre abwechslungsreiche Instrumentalisierung zu begeistern und fügen sich schlussendlich wunderbar in das große Ganze ein.


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