REVIEW: PJ Harvey „The Hope Six Demolition Project – Demos“

Raue Töne in rauen Zeiten: PJ Harveys „The Hope Six Demolition – Demos“ könnten zu keinem passenderen Moment erscheinen.

Manchmal kommt es zu seltsamen Zufällen innerhalb der Geschichte. PJ Harvey verarbeitete auf ihrem 2016er Album „The Hope Six Demolition Project“ gleichermaßen Eindrücke, die sie während Reisen durch das zerstörte Afghanistan und den Kosovo gesammelt hatte, wie auch Gedanken, die auf einen Ausflug in das politische Zentrum der USA, Washington D.C., zurückgehen. Dort hatte sie sich ausgiebig mit einem Projekt beschäftigt, dessen Ziel es war und ist, aus heruntergekommenen Sozialwohnungen Anlagen für Menschen mit gemischten Einkommensverhältnissen zu machen. Das Re-Issue von „The Hope Six Demolition Project“ fällt nun ausgerechnet in eine Zeit, in der der Krieg für die westliche Welt so nah ist wie seit über siebzig Jahren nicht mehr. Die Luft ist gefüllt mit Anspannung und Sorgen. Ängste, die auch den Grundton von Harveys neuntem Album beeinflusst haben. Unsere Abhängigkeit von Wirtschaft und Geld wird uns aktuell gnadenlos vor Augen geführt. Hätten wir doch mehr auf die Lyrics der Mercury-Prize-Trägerin gehört, die uns genau davor gewarnt hat, die uns zu mehr Humanität, zu mehr Weitsicht aufgerufen hat. Und so wird die Wiederveröffentlichung des durchweg politischen „The Hope Six Demolition Project“ zu einem lebendigen Mahnmal. Vor allem die Demos, die unter anderem an die Aufnahmesessions erinnern dürften, die PJ Harvey und ihre Band für Besucher zugänglich im Londoner Somerset House abgehalten hatten, machen die Zerbrechlichkeit von Sicherheit und Frieden geradezu erlebbar. Ihre grobe Authentizität geht unter die Haut. Gleichsam zeigen die fragilen Blaupausen für die späteren Studioversionen aber auch, wie markerschütternd ihre Texte und Melodien auch ohne geschliffene Produktion bereits sind. PJ Harvey gehört zweifelsohne zu den reflektiertesten Geistern der Moderne. Ihre unsagbare Kreativität und ihr Gespür für gesellschaftlich relevante Inhalte kennen kaum Vergleiche. „The Hope Six Demolition – Demos“ unterstreichen dies mit Nachdruck.


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