REVIEW: Will Samson „Activate Imagination“

Treibend, vor sich hin schwelgend: „Active Imagination“ von Will Samson möchte eine Art Tor zum Unterbewusstsein – oder zumindest ein nachhaltiger Denkanstoß – sein, was der LP durchaus gelingt.

Will Samson ist ein stetig Reisender. Er ist immer in Bewegung, wohnt mal hier und mal da und kommt scheinbar nie zur Ruhe. Genauso wie die Hauptfigur Vivianne Rocher in Joanne Harris Roman beziehungsweise Lasse Hallströms Film „Chocolat“. Auch sie kann es kaum aushalten, allzu lang an ein und demselben Ort zu verweilen, warten doch immer wieder neue Herausforderungen, neue Wege auf sie, sobald der Nordwind ruft. Ähnlich scheint es auch Samson zu gehen. Wie soll er aber auch den Klang einer ganzen Welt und seiner persönlichen Geschichte einfangen, wenn er nicht möglichst viele Ecken und Enden von ihr gesehen und erkundet hat? „Meine familiären Wurzeln sind derart weit über den Globus verteilt, dass ich mich oft gefragt habe, ob es quasi in meinem Blut liegt, ständig umherzuziehen, um vielleicht irgendwo einen greifbaren Moment der Zugehörigkeit zu finden“, reflektiert er seine Rastlosigkeit, die er darüber hinaus zum Dreh- und Angelpunkt seines neuen Albums „Active Imagination“ gemacht hat. Es geht darum, sich selbst zu finden, die eigene Identität zu ergründen. Als Musiker tut Samson dies auf die denkbar einzig sinnvolle Art, indem er zu Mikro, verschiedenen Percussions und anderen Instrumenten sowie seinem Laptop greift. Mithilfe all dieser Werkzeuge geht er auf die Suche nach dem, was ihn ausmacht, und streift dabei auch Themen wie den Willen, das Klarträumen, das sogenannte luzide Träumen, zu erlernen. Sagt man doch schließlich, dass alle universellen Wahrheiten in unseren Träumen verborgen seien. „Active Imagination“ nutzt jedenfalls die gesamte Bandbreite der Vorstellungskraft und bewegt sich stilistisch von Folk über Neo-Klassik bis hin zu Ambient-Einflüssen – stets mit der Intension, Türen öffnen zu wollen, wo man zuvor vielleicht nicht mal eine vermutet hätte. Die Gedanken ausgiebig schweifen zu lassen und trotzdem ein melodisches Sicherheitsnetz unter sich zu wissen, gelingt mit dieser Platte hervorragend!


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