REVIEW: Sylvan Esso „No Rules Sandy“

Zwischen Partynacht und Morgenspaziergang: Sylvan Essos „No Rules Sandy“ ist eine Platte, die sich gekonnt durchs Zwielicht schlängelt und sich vor jedweder Kritik zu behaupten wissen wird.

Es ist keinen Monat her, dass Sylvan Esso ihr neues Album „No Rules Sandy“ angekündigt haben. Immer mehr Künstler verzichten auf lange Promotion-Vorläufe und nutzen lieber die Gunst der Stunde, um ihre Platten zu veröffentlichen. Das hat den Vorteil, dass sie den Stücken noch deutlich näher sind, wenn sie sie dann vor Publikum live performen oder in Interviews dazu befragt werden, als wenn Monate zwischen den letzten Aufnahmen und dem Release des fertigen Produkts liegen. Zudem passt es auch zum Wesen unserer Zeit, weniger zu planen und abzuwarten, sondern stattdessen ungestüm zu sein und verstaubte Regelwerke zu ignorieren. Womit wir beim Thema wären. Auf „No Rules Sandy“ lösen sich Amelia Meath und Nick Sanborn von sämtlichen Rahmen, die das Popbusiness offeriert, und folgen schlicht den Impulsen, die aus ihrer Sicht Aufregung versprechen. Das führt zu Tracks ohne klassischen Aufbau. Zu solchen, die von jetzt auf gleich in ungeahnte Richtungen ausschlagen oder enden, wenn sie gerade erst in Fahrt gekommen sind. Wer sagt schließlich, dass ein Song im Schnitt um die drei Minuten lang sein muss? Niemand. Die Befreiung von Konventionen und mentalen Grenzen öffnet einen Raum, den Sylvan Esso mit Detailverliebtheit, einer furchtlosen Experimentierfreude, kleinen Interludes und zart vorgetragenen Lyrics auszufüllen wissen. Mehr denn je lösen sie sich von sämtlichen Erwartungen und Sorgen, wie ihre elektronisch-folkigen Spielereien wohl außerhalb ankommen könnten. So flüchtig wie „No Rules Sandy“ entstanden ist – von Track zu Track in einer Phase, in der Sylvan Esso gar nicht vorhatten, eine komplette LP zu produziere – geben sie das Ergebnis an ihre Fans und Hörer*innen weiter. Das sorgt für eine spürbare Leichtigkeit, die sie gekonnt in einen bunten Klangrausch implementiert haben.


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