Jake Shears lässt die Hüllen fallen, und zwar nicht nur regelmäßig auf seinen Social-Media-Kanälen, sondern emotional gesehen auch auf seiner neuen LP „Last Man Dancing“.
Man könnte meinen, Jason Sellars aka Jake Shears sei aus der Zeit gefallen. Dass hinter dem quirligen 44-Jährigen eigentlich ein gefeierter Popstar aus den Siebzigern stecke. Einer, der es irgendwie geschafft habe, aus der Vergangenheit in die Zukunft zu reisen, um die Menschen mit Disco-Vibes und schillernden Cluboutfits vor drohenden Krisen zu bewahren. Auf seinem zweiten Soloalbum greift der gebürtige US-Amerikaner jedenfalls zu stilistischen Mitteln, die sich bereits bei seinen früheren Veröffentlichungen – sei es solo oder als kreativer Kopf hinter den Scissor Sisters – bewährt haben. Da wären allem voran energetische Beats, hymnenartige Gesänge und jede Menge queere Power – Zutaten, welche definitionsgemäß schon als Garanten für gute Laune gelten. „Last Man Dancing“ lädt vom ersten bis zum letzten Track zum Ausgelassensein, zum ekstatischen Tanzen ein. Shears gönnt seinem Publikum keine Verschnaufpause, sondern jagt es von einer Up-Tempo-Nummer zur nächsten, indes er im Hintergrund einen ausgelassenen lyrischen Seelenstriptease hinlegt. Zusammen mit Verbündeten wie Kylie Minogue gedenkt Jake Shears einer musikalischen Ära, in der es trotz Glamour und einer spürbaren gesellschaftlichen Aufbruchsstimmung noch immer mutig war, sich als schwuler Mann offen durch das Nachtleben zu bewegen und so zu zeigen, wie man wirklich ist. „Last Man Dancing“ hält, was sein Titel verspricht. Das Album verdeutlicht, dass der Kampf gegen Intoleranz und Gewalt gegenüber der LGBTIQ-Community auch weiterhin couragierter Rollenvorbilder wie Shears bedarf und dass Musik ein probates Mittel darstellt, die Akkus für entsprechende Gefechte aufzuladen. Denn egal, was genervte Aufschreie aus populistischen Ecken auch sagen mögen, queere Persönlichkeiten sind statistisch nach wie vor unterrepräsentiert. Deswegen braucht es auch mehr Sicht- und Hörbarkeit!


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