REVIEW: Ben Howard „Is It?“

Wenn Erschütterungen zu Klarheit und Kreativität führen: Ben Howard hat auf Grundlage eines Schicksalsschlags sein bis dato spannendstes Album erschaffen. „Is It?“ beleuchtet die Fragilität des Lebens. 

Zwei sogenannte transitorische ischämische Attacken – kurz TIAs -, liefern den Anschub für ein Gedankenkarussell, auf dem man als Hörer*in seine Runden drehen kann, sobald man Ben Howards „Is It?“ abspielt. Bevor der Brite die Arbeiten an seinem neuen Album beginnen konnte, musste er eine höchst unangenehme Erfahrung machen. In seinen Hirngefäßen hatte ein losgelöstes Gewebeklümpchen dazu geführt, dass Areale, die fürs Sprechen und Denken zuständig sind, kurzzeitig unterversorgt waren. Erschreckt von den entsprechenden Funktionsausfällen suchte Howard einen Arzt auf, der zu dem Ergebnis kam, dass er zwei Mini-Schlaganfälle erlitten hatte. Ein Schock für den Mittdreißiger, nahm er doch wie viele von uns an, dass solche Dinge erst in höherem Alter auftreten würden. Aber eben auch ein Grund, sich mit der Endlichkeit des Seins und dem Fakt, dass selbst kleinste Dinge verheerende Auswirkungen haben können, auseinanderzusetzen. Ben Howard betrieb seine Reflexion auf die schönste Art und Weise überhaupt, indem er nämlich eine LP erschuf, die neben tiefgründigen Texten von einer breiten Palette an kleinen verspielten elektronischen Frickeleien lebt. Der Einsatz dieser Sound-Elemente verleiht seiner sonst eher bodenständigen Singer-Songwriter-Kunst einen ganz eigenen Charakter. Als handele es sich um einen akustischen Fingerabdruck, der einzig und allein zu Ben Howard gehört, wenngleich einige der Linien durchaus auch zu José Gonzalez oder Nick Mulvey passen könnten. „Is It?“ ist vom ersten bis zum letzten Track ein durchdachtes und trotzdem konsequent leichtfüßiges, lebensbejahendes Werk. 


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