REVIEW: Marika Hackman „Big Sigh“

Furchtlos: Marika Hackmans „Big Sigh” sprengt die Fesseln der Ohnmacht und pulsiert wie die Halsschlagader eines wilden Tieres.

Das Gefühl von Kontrolle ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wir wollen möglichst viel Einfluss auf die Dinge haben, die uns widerfahren. Was aber, wenn das gar nicht der Fall ist? Wenn uns die Zügel völlig aus der Hand genommen werden und wir zunehmend fremdbestimmt sind? Panik ist oft die Antwort. Marika Hackman kann ein Lied davon singen – und hat es schon oft getan. Erschüttert und gelähmt durch äußere Umstände – zuletzt durch die Pandemie – verlor sie nach und nach ihre Schaffenskraft. Es dauerte eine Weile, bis sich jene Lähmung etwas lockerte und Hackman erkannte, dass sie ihre Kraft durch das Schreiben von Songs zurückgewinnen konnte. Beflügelt von der damit verbundenen Selbstwirksamkeit arbeitete sie an dem, was nun unter dem passenden Titel „Big Sigh“ (dt.: Großer Seufzer) erscheint. In zehn Songs teilt die Britin ihren neu gewonnenen Mut. Musikalisch streift sie dabei die unterschiedlichsten Genres. Präsentiert mal psychedelisch angehauchte Elektronica-Passagen, mal von Rock und Grunge durchdrungene Momente und dann wieder reduzierte akustische Kompositionen. Egal in welche Richtung sie auch ausschwärmt, sie scheint sich in allen bewegen zu können. Keinesfalls ängstlich, sondern selbstbewusst und elegant. Textlich setzt sich Marika Hackman auf der LP vor allem mit ihrer Faszination für Liebe und Sexualität auseinander und besingt inbrünstig die Irrungen und Wirrungen menschlicher Leidenschaft. „Big Sigh“ ist fesselnd. Ein Album, dem es gelingt, Beklemmung mit Aktion zu begegnen und all jene in seinen Windschatten zu nehmen, denen es schwerfällt, allein den ersten Schritt aus der Starre heraus zu machen.


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