In der tonalen Postapokalypse: El Perro del Mar läutet mit „Big Anonymous“ gleichzeitig das Ende und den Anfang aller Zeiten ein.
Sie wird gerne als musikalische Gestaltwandlerin bezeichnet. Tatsächlich ist Sarah Assbring alias El Perro del Mar eine der innovativsten Songwriter*innen des 21. Jahrhunderts. Kaum jemand hat sich stilistisch derart mutig in unterschiedlichste Terrains vorgewagt, wie es die Schwedin immer wieder tut. Ausgehend vom bittersüßen Chamberpop ihres selbstbetitelten Debüts „El Perro del Mar“ (2005) schuf sie unter anderem verträumte Chillout- und Soul-Kompositionen, tanzte sich durch einen von den Achtzigern inspirierten Synthiepop und vereinte auf „Kokoro“ (2016) traditionell anmutende Ethno-Einflüsse aus verschiedenen Kulturen. Wenn es jemandem gelungen ist, den künstlerischen Reichtum unseres Planeten und verschiedener Epochen musikalisch einzufangen, dann ist es Assbring. „Big Anonymous“, ihr achtes Studioalbum, verabschiedet sich indes von der Dynamik und dem Optimismus manch eines Vorgängers und zwingt die Zuhörer*innen stattdessen, Kopf über in eine akustische Schattenwelt einzutauchen. Es ist das bisher düsterste Werk von El Perro del Mar. Sphärische, teils sakrale Klänge vermischen sich mit organischen Texturen und verlieren sich gemeinsam in einer schier endlosen Weite. Während Sarah Assbrings Gesang hier und da sirenenhaft erklingt und wie von kristallinen, eisigen Klangwänden widerhallt, entfaltet sich der melodiöse Hintergrund, als handele es sich um ein frisch geborenes Universum. Denn neben aller vermeintlichen Destruktivität, die „Big Anonymous“ anhaftet, gibt es auch leuchtende Funken der Hoffnung. Wer das Leben als Kreislauf begreift, weiß, dass mit jedem Ende auch ein neuer Anfang einherhgeht. El Perro Del Mar führt uns dies sinnbildlich vor Ohren. Ein vielschichtiges Werk, das ebenso intuitiv wie intellektuell durchdacht daherkommt.


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