Ein tonales Panoptikum, vollgestopft mit den unterschiedlichsten Kuriositäten: MGMTs „Loss Of Life“.
Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser lernten sich beim Studium experimenteller Musik kennen – und sind diesem Ansatz bis heute treu geblieben. Denn ihre Werke sind alles andere als konventionell. Zwar gelingt es den beiden New Yorkern immer wieder, ein breiteres Publikum anzusprechen und von sich zu überzeugen, doch scheuen sie sich nicht, ihre Alben zu kleinen akustischen Versuchslaboren zu machen. Die Grundzutaten sind dabei gerne Indie-Rock, Alternative-Pop und ein Hauch Psychedelica, die dann mit den unterschiedlichsten Einflüssen erweitert und verfremdet werden. Ihr fünftes Album „Loss Of Life“ etwa wartet mit dronigen Sounds, Grunge-Anleihen, ein wenig Folk, Synthie-Pop, Ethno-Tupfern oder verträumtem Ambient als stilistische Erweiterung auf. Einmal mehr gelingt es MGMT, eine fesselnde Dynamik zu entfalten, die Vertrautheit, aber auch ungeahnte Neugierde weckt. Nimmt man den Track „Dancing in Babylon“, bei dem der nicht-binäre französische Singer-Songwriter Héloïse Letissier (Christine and the Queens) als Gast mitwirkt, ist er ein hervorragendes Beispiel für den Geist des Albums und des Gesamtwerks von MGMT. Statt klaren Linien und Gesetzmäßigkeiten zu folgen, löst sich der Track von allen Formen, beginnt mit einem pulsierenden Intro, spielt dann mit eher klassischen Elementen, macht einen kurzen Ausflug in die Achtziger und mündet schließlich in einem opulent funkelnden Dream-Pop-Finale. So oder so ähnlich verhält es sich auch mit dem Rest von „Loss of Life“. Erwartet das Unerwartete! Man weiß nie, wohin ein Song führt, welche Gestalt er am Ende annimmt. Genau das macht von jeher den Geist von MGMTs Kunst aus und sorgt für aufgeladene Spannungsbögen und wahre Endorfinkaskaden.


Kommentar verfassen