REVIEW: Sofia Portanet „Chasing Dreams“

Bringt die Synapsen zum Glühen: Sofia Portanets „Chasing Dreams“ ist das beste Mittel gegen Monotonie und Langeweile.

Erste Erfahrungen im Kinderchor der Pariser Nationaloper gesammelt zu haben, ist sicher nicht der schlechteste Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Karriere. Zwar entschied sich Sofia Portanet in der Folge gegen eine Laufbahn als Musikerin, gelangte dann aber über nicht allzu lange Umwege wieder genau dort hin. Ihr weitgehend in Eigenregie produziertes Debütalbum „Freier Geist“ wurde 2020 von Publikum und Kritik gleichermaßen mit offenen Armen und Ohren aufgenommen. Portanet, die auf Englisch, Deutsch, Französisch und auch auf Spanisch singt, gilt in der kreativen Szene ihrer Wahlheimat Berlin als wahres Chamäleon. Ihr Stil ist vielschichtig und vereint unterschiedlichste Einflüsse. Dazu gehören New Wave, Chanson, Post-Punk, Rock und Neue Deutsche Welle. Auf ihrem zweiten Album „Chasing Dreams“ gießt sie nun einen dicken, süßen Pop-Guss über diese extravagante Zutatenmischung. Das nimmt den Stücken im Vergleich zu den Vorgängern zwar ein wenig von ihrer Härte und Verrücktheit, lässt aber immer noch genug übrig, um sich deutlich von eindimensionalen Chart-Hits abzugrenzen. „Chasing Dreams“ ist alles andere als gefällig. Es ist eine dynamische Platte, die ohne überflüssigen, kitschigen Pathos bewegende Themen anspricht. Von der Gefährdung unserer psychischen Gesundheit über die Suche nach sich selbst im Gegenüber, in der Umwelt oder in den Tiefen der Seele bis hin zur Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Rasant springt die talentierte Songwriterin zwischen den gewählten Impulsen hin und her. Gleichzeitig huldigt sie ihrem Vater Antonio mit einer Coverversion seines Songs „Coplas“ und interpretiert gemeinsam mit der Piano-Legende Chilly Gonzales ihr „Real Face“ neu. Hier und da mag es scheinen, als wolle Sofia Portanet mit „Chasing Dreams“ zu viel, als verliere sie sich in einem bunten Klanglabyrinth, doch hält sie stets den Kurs und so fügt sich am Ende alles zusammen. Die Platte weckt Lebensfreude, hat aber auch Tiefgang. Berauschend!


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